Wahlversprechen lassen sich leicht geben, aber werden sie eingehalten? moritz. hat die neuen Mitglieder des StuPa über ihre Wahlversprechen ausgefragt. An den Antworten lässt sich sehen, wie viele Gedanken sie sich über ihre Ziele gemacht haben.

 

Magdalene Majeed … sichere Zukunft der studentischen Kultur  und besseres Verhältnis zwischen StuPa und AStA

Wie stellst du dir die Realisierung der Kulturmensa vor? Hast du schon Konzeptideen?
Dafür müsste man erst einmal in konkrete Gespräche mit dem Studentenwerk gehen. Ich hoffe aber, dass es die Kulturmensa in ein paar (wenigen) Jahren geben wird und sie somit einer der wichtigsten Anlaufstellen für Studierende wird. Wichtige Vereine wie GrIStuF müssen feste Räume bekommen, in denen sie arbeiten können und die sie nicht nach zwei Jahren wieder verlassen müssen!

Du hast einige Verbesserungsvorschläge für den Umgang zwischen dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und dem Studierendenparlament (StuPa) gemacht. Wie müsste sich das vorhandene System ändern, damit der Austausch zwischen AStA und StuPa besser wird?
Ich habe bereits auf der vergangenen Vollversammlung einen Antrag auf Änderung der Struktur gestellt. Hier gab es viele Diskussionen und vor allem Bedenken von verschiedenen Seiten. Während meiner Legislatur im AStA (2013-2014) habe ich selbst mitbekommen, wie – neben den schönen Seiten – anstrengend und zeitraubend die Arbeit in diesem Gremium sein kann. Die Arbeitsgruppe (AG) Struktur wird zurzeit wiederbelebt und der AStA-Referent für Hochschulpolitik arbeitet an einem Entwurf zur Verbesserung. Ich würde mich dort auch mit einbringen wollen und versuchen, nach „günstigeren“ Strukturen zu schauen beziehungsweise zu gucken, wie man das eine oder andere Referat optimieren kann. Danach kann man entsprechende Anträge im StuPa stellen.

 

Martin Hackbarth … Kinderfreundliche und CO²-neutrale Universität

Wo siehst du Probleme bei der universitären Kinderbetreuung und was möchtest du daran ändern?
Ich kann da ehrlich gesagt nicht viel zu sagen. Ich glaube, Familien mit Kind beziehungsweise Studierende oder Mitarbeiter*Innen mit Kind können dies besser beantworten. Ich glaube, dass das Angebot des Teilzeitstudiums verbessert werden und generell eine ausgebaute und breite Kooperation zwischen Universität und Stadt in diesen Belangen stattfinden muss.

Wo kann die Uni den CO²-Ausstoß  noch verringern und ihre Grünflächen effektiver nutzen, ohne dass in anderen Bereichen des universitären Alltags Probleme entstehen?
Ein Stichwort ist dort der botanische und der studentische Garten. Dort werden Grünflächen geschaffen oder erhalten und gleichzeitig der universitäre Alltag erweitert und geschützt. Ansonsten würde ich mich schon freuen, wenn es einen effizienteren Betriebsverbrauch gäbe.

 

Jonas Kettermann … Umweltschutz an der Uni stärken  und Politisierung der Studierendenschaft zur Prävention von (Alltags-)Rassismus, Homophobie und Sexismus

Welche Anträge möchtest du ins StuPa einbringen, um den Umweltschutz zu fördern?
Ich bin mir relativ sicher, dass der ein oder andere Antrag kommen wird. Ich kann allerdings noch nicht einschätzen, was alles so realisierbar wäre. Abseits der Eigeninitiative kommt es natürlich auch auf mein Abstimmungsverhalten bei anderen Antragsstellenden an. Ich werde mich dabei schon an ökologischen Argumenten orientieren, wenn es erforderlich ist.

Wie möchtest du die Politisierung der Studierendenschaft fördern?
Fast alle Studierenden treffen jeden Tag politische Entscheidungen, ohne dass sie sie als solche wahrnehmen. Als Beispiel sei die Frage „Kaufe ich lieber die Bio-Gurke oder nehme ich die konventionelle?“ gestellt. Dieser Entscheidung sollte man sich allerdings bewusst werden und die Begeisterung für Politik muss geweckt werden, denn wir leben nun mal in einem politischen System. Ein Weg der Politisierung wäre es, Studierenden Material an die Hand zu geben, mit dem sie ihre politische Meinung ausdrücken können. Das können Aufkleber sein, aber auch Plakate, Buttons, Postkarten… Es können Filmabende veranstaltet werden als alternative Informationsquellen, Vorträge und Diskussionen über kontroverse politische Themen oder vielleicht lässt sich ja in Kooperation mit den moritz.medien eine unterhaltsame Nachrichtensendung verwirklichen. Ich bin gespannt, wann meine Kreativität an die Grenzen der Realität stößt.“

 

Sven Bäring … Repräsentation aller Studenten unabhängig ihrer politischen Zugehörigkeit und Aufhebung der Zivilklausel: Freiheit für Forschung und Bildung!

Wie stellst du dir parteienunabhängige Hochschulpolitik vor? Wie möchtest du eine solche Politik betreiben, wenn Mitglieder verschiedener politischer Hochschulgruppen im StuPa sitzen?
Eine komplett unabhängige Politik wird es nie geben. Man sucht sich seine Partei in der Regel nach seinen persönlichen Interessen aus. So überschneiden sich natürlich Wahlprogramm und eigene Interessen. Viel wichtiger ist das Verhalten bei Konflikten. Die persönliche Meinung sollte im Vordergrund stehen und einen höheren Stellenwert haben als die der Partei. Erst wenn alle Abgeordneten so arbeiten, können wir zu inhaltsreichen und erfolgreichen Diskussionen kommen.

Warum möchtest du die Zivilklausel aufheben? Welche Möglichkeiten hätte das StuPa, Einfluss darauf zu nehmen?
Erstmal vorneweg: Es gibt keine Zivilklausel an unserer Uni! Und das ist auch gut so. Die linken Fraktionen haben dieses Jahr enorm Druck gemacht im Wahlkampf für eine Zivilklausel. Doch was bringt die? Wir verwehren uns weiteren Fördermitteln. Fördermittel, die wir dringend brauchen. Der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband (SDS) sprach von ominösen Zahlungen, wo selbst der Landtag nicht herausfinden könne, wofür die seien. Ich habe mich erkundigt und brauchte etwa zehn Minuten. Die Uni erhält Geld für ein Forschungsprojekt der Universitätsmedizin. Ein Professor erforscht mit Hilfe der Fördermittel Biomarker der Strahlenkrankheit. Da frage ich mich, was die Linken gegen Strahlenschutz haben. Ist an einer so hohen Bildungseinrichtung wie der unseren ein noch so veraltetes schwarz-weißes Denken möglich, nötig und akzeptabel? Ich denke nein. Niemand möchte Waffen an unserer Uni produzieren oder an militärischen ABC-Stoffen forschen. Dafür haben wir weder die Institute noch die Infrastruktur. Deswegen: Nein zur Zivilklausel und ja zur freien Forschung, wie es das Grundgesetz verlangt! Das StuPa sollte sich gegen eine Zivilklausel aussprechen.

 

Adrian Schulz … kein verachtender Umgang mit Minderheitenmeinungen im StuPa und Online-Wahlen

Wie möchtest du den Umgang der Stupisten mit anderen politischen Meinungen beeinflussen? Gibt es auch Meinungen, die du nicht tolerierst?
Auch wenn viele Stupisten unterschiedliche Meinungen haben, gilt es, deren Auffassungen zu respektieren und somit ein demokratisches Miteinander zu gewährleisten. Die Zusammensetzung des neu gewählten StuPa trägt schon allein deswegen dazu bei, da die Meinungsvielfalt sehr ausgeglichen ist.
Grundsätzlich toleriere ich jede Meinung. Wenn jedoch einige Stupisten meinen, sie würden entscheiden, welche Meinungen „gut“ und welche „schlecht“ sind, ärgert mich das.

Weshalb möchtest du Online-Wahlen einführen und wie möchtest du dafür sorgen, dass sie realisiert werden?
Uns, den Antragstellern des Antrags „Online-Wahlen“, ist bewusst, dass es noch viele zu klärende Probleme und Hindernisse in Bezug auf die Einführung von Online-Wahlen gibt und diese ausführlich besprochen und geklärt werden müssen. Dennoch bin ich der Meinung, dass es eine gute Chance ist, um die Partizipation der Studenten an der Hochschulpolitik zu steigern.
Teil der Antrags war es, das Konzept der Online-Wahlen durch den AStA prüfen zu lassen. Ich hoffe, dass diesbezüglich in der nächsten Legislatur ein Ergebnis vorliegen wird, mit dem wir dann im StuPa arbeiten können.

 

Helena Scheffler … weltoffene, menschenfreundliche, bunte und demokratische Uni und Abschaffung der Anwesenheitspflicht

Wie willst du die Universität weltoffener, bunter und demokratischer machen?
Ich würde mich in erster Linie dafür einsetzen wollen, dass zum Beispiel solche Projekte wie das „Buddy-Programm“ bei unseren Studierenden bekannter wird, denn viele meiner Kommilitonen haben vorher noch nie etwas von diesem Programm gehört. Dabei treffen einheimische auf internationale Studenten. Das könnte nicht nur für viele neue Freundschaften sorgen, sondern auch für ein bisschen mehr Weltoffenheit und das nötige bunte Etwas im Studium.

Ich werde mich auch in Zukunft für Anträge im StuPa aussprechen, die dafür sorgen, dass es nicht nur an unserer Uni demokratisch zugeht und Studierende, so oft es geht, ein Mitspracherecht bekommen (zum Beispiel bei der BAföG-Millionen-Verteilung an unserer Uni für die nächsten Jahre), sondern ich werde mich auch für ein demokratisches Bundesland Mecklenburg-Vorpommern (MV) stark machen und weiter Anträge unterstützen, die Demonstrationen gegen MVgida, NPD und Co. gutheißen.

Warum möchtest du die Anwesenheitspflicht abschaffen und wie willst du das erreichen?
Bei mir im Bachelor-Studium gibt es keine Anwesenheitspflicht mehr. Es wird aber gerade wieder überlegt, diese einzuführen.
Ich bin der Meinung, dass jeder Studierende für sich selber entscheiden soll und muss, wie ihm das Lernen am leichtesten fällt. Ob das nun im Seminar ist oder in der Bibliothek, sollte jedem Studierenden selbst überlassen sein.

Aber es gibt ja auch Studiengänge, in denen es nach wie vor die Anwesenheitspflicht gibt. Da sollte man sich mit den Fachschafträten zusammensetzen und überlegen, wie die Studienordnung dahingehend geändert werden kann, dass die Anwesenheitspflicht abgeschafft wird.

 

von Vincent Roth