Rezension

Von Filmen mit Veronica Ferres lässt man in der Regel die Finger. Von diesem bitte nicht. Thomas Müller ist ein Deutscher, wie er im Buche steht: Seine Hose, die Jacke sogar seine Tapete ist beige. Er ist seit 16 Jahren verheiratet. Sex hat er keinen mehr. Vor der gemieteten Dreizimmerwohnung steht ein Polo in graumetallic – eben ein Auto fürs Volk.

Der statistikaffine Student merkt schnell, so ein Durchschnittsdeutscher ist ein gefundenes Fressen für jedes Marktforschungsvorhaben. Thomas wird zur Laborratte. Doch wie sollte es anders sein, bricht er im Laufe des Films wortwörtlich aus seinem grauen Gefängnis aus – mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Zusätzliche Farbe bringt Produzent David Dietl durch die Creme de la Creme an Schauspielern aus den ersten Programmen ins Spiel. Olli Dietrich wird mit perfekt gescheiteltem Haar zum Thomas. Seine Frau Sabine, eine nervige Zippe, ist mit Ferres ebenfalls optimal besetzt. Sohn Alexander, veganer Rebell der Familie, wird vom Grimme-Preis-Träger Jonas Nay verkörpert. Dieser liefert auch gleich mit zwei ins Ohr gehenden Pop-Songs den Soundtrack zu dem eigentlich stillen Film. Nicht fehlen darf Jella Haase, die momentan scheinbar in jedem deutschen Film die weibliche Teenie-Rolle übernimmt. Sie ist der schlechte Einfluss für den Sohn. Den roten Faden bildet in diesem Fall die Fernsehshow „König von Deutschland“, die immer wieder bei Familie Müller über die Mattscheibe flimmert.

„Verreck doch an deiner Durchschnittlichkeit“, fasst gut zusammen worum es eigentlich geht. Eine kleine Liebelei darf natürlich auch nicht fehlen. Für Abwechslung in der eigentlich tristen Kulisse sorgen zwischendrin immer wieder gekonnt eingesetzte Filmeffekte, dezent und trotzdem überzeugend. Auffällig sind außerdem die vielen Nahaufnahmen der Gesichter. Das reicht auch, denn bei der hochkarätigen Schauspielerbesetzung, zumindest für deutsche Gefilde, sagt die Mimik meist mehr als jede aufwendig gebaute Szene.

Das ideale Essen zum Film ist übrigens Schnitzel mit Kartoffelsalat.

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: © good movies