Wenn „Radio Doria“ die Bühne betreten, erlebt das Publikum eine gelungene Performance. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt all das, was dem Zuschauer am Abend des Konzerts verborgen bleibt. Ein Treffen mit Sven Bioly von der Stadthalle Greifswald.

Jan Josef Liefers ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger und vor allen Dingen Entertainer. Das steht für mich spätestens seit seinem Auftritt mit „Radio Doria“ in der aaaaStadthalle Greifswald am 18. April fest. Eine ganze Palette an Gefühlen deckt die sechsköpfige Band um den Tatort-Helden an diesem Abend ab, die das Publikum deutlich sichtbar erreicht. Mal stimmen die Songs nachdenklich, mal bewegen sie die Zuschauer zum sorglosen Mitwippen. Abgerundet wird das Konzert durch die Performance einer Ballerina sowie Filmaufnahmen, die im Bühnenhintergrund auf einer großen Leinwand laufen und die Aussageabsicht der leidenschaftlichen Musik unterstützen. Damit die Stimmung nicht allzu ernst wird, lässt der sympathische Allrounder hier und da einen flotten Spruch fallen. Die Mittvierziger vor ihm heben diesen gerne auf und tragen ihn durch ihr Lachen noch bis in die hinterste Ecke des ausverkauften Saals – kurzum, die Atmosphäre stimmt. Toller Abend. Tolle Band. Toller Herr Liefers.

Was den Meisten mit Sicherheit bewusst ist, sich aber trotzdem immer wieder leichter verdrängen lässt als die Folgen meines neustudentischen Sit-and-Read-Alltags bei gleichbleibender Kalorienzufuhr: Hinter solch einem Auftritt steckt viel Arbeit. Die Show selbst ist nur die unterhaltsame Spitze des Organisations-Eisbergs. Einen beachtlichen Beitrag leisten Backstage-Arbeitende wie zum Beispiel Sven Bioly, Referent für Marketing und Disposition der Stadthalle Greifswald. Bereits vor anderthalb Jahren wurde der Vertrag mit dem Berliner Veranstalter Marcel Block geschlossen, der „Radio Doria“ mit ihrem neuen Album „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ für den Kaisersaal vorschlug. Ein gängiges Verfahren, um Künstler und Events in die Stadt zu holen. Im Gegenzug informiert das Stadthallenmanagement über entscheidende Bühnenaspekte.

Kooperation gegen Backstage-Stress

„Für mich ist es wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu den Veranstaltern zu haben“, erklärt Herr Bioly. „Mittlerweile gibt es fünf bis sechs Großveranstalter, mit denen ich in den letzten zwei Jahren gut zusammenarbeiten konnte, weil sie gesehen haben: Greifswald funktioniert.“

Obwohl Jan Josef Liefers sein persönliches Management mitbringt – nein, „das Management bringt ihn mit“, lasse ich mich belehren – bleibt eine nicht unerhebliche Menge an Arbeit für Herrn Bioly und seine Kollegen. Trotz langfristiger Vorausplanung fällt ein Großteil dieser in die letzten beiden Wochen vor dem Auftritt. Dazu gehören an jenem Abend nicht nur saubere Räumlichkeiten und ausreichend Einlasspersonal, sondern auch zwei Sanitäter sowie die Garderobe. Viele Fragen können erst kurzfristig geklärt werden, wenn feststeht, welche Resonanz die Ankündigung der Veranstaltung erfährt. Scheinbar banale Aspekte wie das Wetter spielen hierbei ebenfalls eine Rolle – Garderobenständer wollen schließlich auch aufgestellt werden.

Hinzu kommen diverse andere Dienstleister wie Audio Equiment Nord (AEN), die technische Hilfestellung geben, oder das Theater-Catering zur Bewirtung der Crew. Das Geheimnis zum Erfolg, so scheint es, heißt allzeit Kooperation. Ich erfahre, dass der Auftritt von Liefers & Co. ein besonderes Ereignis für die Stadthalle ist. Dies wird vor allem im direkten Vergleich zum kürzlich in Greifswald aufgetretenen Bodo Wartke (Interview im mm116) deutlich, der als Solist am Klavier weitaus weniger Vorbereitungsmaßnahmen verlangte: „Der technische Aufwand ist ein ganz anderer bei so einem Rockkonzert. Heute ist die Bühne komplett voll mit 16 Gitarren, mit Schlagzeug und Podesten.“

Trotzdem wirkt Sven Bioly ruhig, als er mit mir spricht. Den Stress bemerkt man allein daran, dass er wenig Zeit für mich hat. Sein Telefon klingelt und beendet damit unser Interview. Eine Treppe fehlt, über die Herr Liefers ins Publikum gelangen soll – zwei Stunden vor Konzertbeginn. Ob es während der Vorstellung für den Manager entspannter ist? „Ich entspanne mich dann, wenn alles tatsächlich läuft und ich sehe, dass der Einlass funktioniert hat und sicherheitsmäßig auch alles in Ordnung war. Heute bleibe ich natürlich bis zum Ende. Ansonsten haben wir einen Veranstaltungsmeister hier, der die Veranstaltung übernimmt,“ meint er dazu.

Bald wird deutlich, dass diese Einstellung sich lohnt. Jan Josef Liefers singt, erzählt und unterhält, ohne dass es zu für die Gäste erkennbaren Zwischenfällen kommt. Auch die Treppe konnte rechtzeitig angebracht werden. Während die Band weiterspielt, steigt der Dresdner Schauspieler zu seinen Fans hinab, um die Bühne gleich darauf mit einer Zuschauerin im Arm wieder zu betreten. Alles in allem ein in jeder Hinsicht gelungener Abend, denke ich, als die beiden gemeinsam in den Saal strahlen, und hoffe, dass das Management dem zustimmen kann. Es sei ihnen gegönnt, sich selbst auf die Schulter zu klopfen.

von Luise Fechner

Foto: MuTphoto