Rezension

Unter der Universität von Imre existiert eine fremde, seltsame Welt: Das Unterding. Hier lebt Auri, die vor langen Jahren die Lehranstalt verlassen hat. Sie erforscht nun auf eigene Faust die geheime Ordnung der Dinge und hilft jedem Gegenstand, seinen Platz in der Welt zu finden.

Das Mädchen Auri ist denen, die die Bücher „Der Name des Windes“ und „Die Furcht des Weisen“ gelesen haben, als gute Freundin des Protagonisten bekannt. Wer die Geschichte von Kvothe, dem Königsmörder, aber überhaupt nicht kennt, wird sich schnell in der Erzählung verlaufen. Schließlich hat Auri ihre ganz eigene Weltansicht und eine ungewöhnliche Art, die Dinge zu benennen. Dazu kommt, dass einige Zusammenhänge, die in den Romanen um Kvothe geschildert werden, einfach als gegeben angenommen und nicht weiter erklärt werden. Auch hat „Die Musik der Stille“ nur sehr wenig mit klassischer Fantasy gemein. Informationen über Auri, ihre Herkunft oder die Universität erfährt man wenig. Viel mehr wird der Ablauf einiger Tage im Leben eines eigenartigen Mädchens beschrieben. Dies erfolgt mit sehr viel Liebe zum Detail und in einer sehr bildhaften Sprache, auch wenn der Stil zu Anfang ein wenig einfach wirkt. Dieser Eindruck ändert sich jedoch im Laufe der Erzählung. An die Art, wie Yara Blümel die einzelnen Sätze betont, muss man sich erst einmal gewöhnen. Dann aber passt ihre Stimme gut zu der Poesie der Geschichte. Allerdings sollte man vor dem Hören zumindest den Roman „Der Name des Windes“ gelesen haben, um einen Überblick über die erwähnten Orte und Personen zu haben. Außerdem hilft es, den Handlungsverlauf nachzuvollziehen, wenn man bereits eine Beschreibung von Auri aus einem anderen Blickwinkel kennt.

Patrick Rothfuss selbst warnt in der Vorbemerkung des Kurzromans, dass dieser nicht geeignet ist, um einen Einblick in die Welt der Königsmörder-Chroniken zu erlangen. Ebenso betont er, dass die Geschichte seltsam und nicht für jeden geeignet ist. Damit hat er nur allzu Recht.

von Juliane Stöver

Foto: ©Der Hörverlag