Erfolgreicher werden als der Zuckerberg? Warum nicht. Das schlaue Köpfchen fing schließlich auch mal als Student an und hat mit 31 Jahren ein Buch zum Unternehmen gemacht, das nicht nur über uns wacht, sondern auch noch ordentlich Moneten abwirft.

“Es gibt nur einen einzigen Weg, abgesehen von ein paar Ausnahmen, sich ein echtes Vermögen aufzubauen: Man muss sein eigenes Unternehmen gründen.“ Das soll einmal der amerikanische Ölindustrielle Jean Paul Getty gesagt haben. Aber wie fängt man an? Zunächst mit einem Geistesblitz, einem Kasten Bier und den richtigen Leuten um einen herum. Die Idee muss schließlich erst mal ausreifen, bis sie in die Tat umgesetzt werden kann. In etwa so kam auch das Greifswalder Startup „advocado“ in die Gänge. Hierbei handelt es sich um eine Onlinerechtsberatungsplattform, wie der  Gründer und Geschäftsführer Maximilian Block erklärt. Rechtsanwälte können bei advocado.de einen Account für ihre Kanzlei erstellen, um die Rechtsfragen und Formulare ihrer Mandanten jederzeit schnell bearbeiten zu können. Dabei überprüft der Jurist die eingereichten Anfragen und gibt anschließend ein unabhängiges Preisangebot an den Kunden ab. Ein weiteres Produkt dieses Unternehmenskonzeptes ist ein sogenannter Marktplatz für Rechtsfragen. Internetnutzer können hier ihre Anfragen stellen, die anschließend von advocado optimiert und an passende Anwälte vermittelt werden. Der Gewinn für advocado besteht aus Gebühren für die Nutzung der Online-Beratungsräume und die Vermittlung neuer Mandanten. Das System entwickelte der Juraabsolvent Maximilian schon 2010 zusammen mit einem Freund, der BWL studiert hatte. „Einen BWLer braucht man immer!“ versichert Maximilian. Drei Jahre später entschieden sie sich, mit ihrem Unternehmenskonzept am UNIQUE Ideenwettbewerb der Universität Greifswald teilzunehmen und belegten den zweiten Platz. Zusätzlich konnte advocado in dem weiterführenden Businessplanwettbewerb den Sonderpreis in Form einer Marktanalyse ergattern. Es lohnt sich, an Ideenwettbewerben teilzunehmen. Man gewinnt nicht nur ein Preisgeld, sondern auch die Erfahrung, sein Konzept zu präsentieren und zu verteidigen.

Generalprobe für die Konkurrenzfähigkeit

Den Ideenwettbewerb unter dem Namen UNIQUE gibt es an der Universität seit 2006. Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter und Alumnis können daran teilnehmen und sich mit Coaching, Preisgeldern und Kontakten unterstützen lassen. Alles in allem eine Hilfestellung bei der Weiterentwicklung und Realisierung Erfolg versprechender Projekte. Unterstützt wird der Wettbewerb unter anderem vom Zentrum für Forschungsförderung und -transfer (ZFF), das auch schon im Vorfeld eine Beratung für Interessierte anbietet. „Wer mitmacht, hat schon gewonnen“, sagt Dr. Jens-Uwe Heiden, einer der Ansprechpartner im ZFF und Mitorganisator des Ideenwettbewerbs. Auch wenn man kein Preisgeld gewinnen sollte, gewinnt man an Erfahrung und nützlichen Kontakten aus der anvisierten Branche dazu.

Die Erfahrung, wie es ist, vor einer kritischen Jury aus Geschäftsführern, Investoren und Experten zu stehen, haben auch Philipp Hunsche und Thomas Köhler gemacht. Sie belegten im Jahr 2011 ebenfalls den zweiten Platz beim Greifswalder Ideenwettbewerb mit einem bisher einzigartigen Unternehmenskonzept zu einem regionalen Möbellieferservice, der heute dem einen oder anderen als „Möbelsprinter“ bekannt sein könnte. Der Ursprung der Idee ist simpel: Was macht man als Student in Greifswald, mit wenig Geld in der Tasche, einem kleinen oder nicht vorhandenen Auto und ohne ein schwedisches Möbelhaus um die Ecke? Diese Frage stellte sich auch Philipp und fand eine Marktlücke. Und so fährt er seit 2012 einmal im Monat zum IKEA Rostock und liefert anschließend die eingekauften Bestellungen seiner Kunden in Stralsund und Greifswald aus. Ein anstrengender Job, der heute einen regelmäßigen Nebenverdienst abwirft. Der Anfang war zunächst holprig. Zu wenige Bestellungen für zu viel Aufwand. Es gab Fahrten, bei denen die Ausgaben weit höher als die Einnahmen waren. Doch das Dranbleiben hat sich ausgezahlt. Die Möbelsprinter erstellten und verteilten eigenhändig Werbeflyer und wurden von zufriedenen Kunden weiterempfohlen. Die tausend Euro Gewinnprämie aus dem Ideenwettbewerb hat zusätzlichen Auftrieb gegeben. Darum rät auch Philipp allen Visionären, sich zu trauen, eine Idee in die Realität umzusetzen und sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. „Es hängt nicht von der ‚perfekten‘ Geschäftsidee ab, sondern von der guten Umsetzung“, rät Philipp allen Startup-Gründern.

Netzwerk aufbauen

Eine gute Idee ist zunächst Rohmaterial, das bearbeitet werden muss. Um den eigenen Horizont zu erweitern und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, ist es hilfreich an Seminaren, Coachings und Vorträgen teilzunehmen. Im April führte die priME Academy in Kooperation mit der Universität ein kostenloses Entrepreneurship- und Management-Training durch. Die Veranstaltung diente als Vorbereitung einer möglichen Teilnahme am priME Cup, einem praxisbezogenen Wettbewerb für Studenten, bei dem Teams eine Unternehmensgründung und -leitung simulieren. Im Laufe der Simulation durchlaufen die Teams die verschiedenen Unternehmensphasen, müssen Entscheidungen treffen und einen Businessplan erstellen, der zum Beispiel Preispolitik, Personalplanung oder Finanzierung beinhaltet. Diese Art von Wettbewerb ist nicht nur für erfahrene Gründer geeignet, sondern auch für Neulinge. Man lernt, wie man effektiv im Team arbeiten kann und sein Konzept überzeugend präsentiert. Wer sich erst mal informieren will, oder vielleicht nur einen Schubs benötigt, kann bei „Capufaktur“ vorbeischauen. Das ist eine studentische Unternehmungsberatung, die neben der Beratung von bestehenden Unternehmen, auch Schulungen für Studenten anbietet. Beispielsweise kann man an Seminaren zu Projektmanagement oder Präsentationstechnik teilnehmen.

„Bezogen auf die Gründerszene ist Greifswald noch im Aufbau“, fasst Benjamin Dirks die bisherigen Angebote für mutige Studenten-Startups zusammen. Er ist eines von vier Gründungsmitgliedern der noch sehr jungen studentischen Initiative „Gründungswerft“. Die vier Studierenden aus den Wirtschafts-, Politik- und Geisteswissenschaften wollen mit ihrer Initiative die erste Anlaufstelle für Gründungsinteressierte in Greifswald werden. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Interessierte aller Fachrichtungen zusammenzubringen und mit Treffen, Workshops und Vorträgen zu fördern. „Der Ideenwettbewerb ist eine gute Unterstützung seitens der Universität, doch das Angebot von der studentischen Seite aus ist ausbaufähig“, erklärt Benjamin die Motivation zu dem Projekt. Es soll ein Netzwerk geschaffen werden, das Studenten mit Gründungsambitionen und tollen Ideen die Möglichkeit zum Austausch bietet. Am Ende sei niemand Experte, aber durch die individuellen Erfahrungen kann jeder ein bisschen weiterhelfen. Es geht vor allem um das Knüpfen von Kontakten und das gegenseitige Fördern. In Rostock hat das laut Benjamin schon ganz gut geklappt: „Der Entrepreneursclub Rostock e.V. ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was studentische Initiative zum Gründungserfolg beitragen kann.“ Die Gründungswerft plant mit bereits drei Veranstaltungen für das laufende Semester ihr Debüt. Wem das noch nicht reicht, kann beim „Open Coffee“ Club vorbeischauen. Hier treffen sich ebenfalls Gründungsexperten und -interessierte zum gegenseitigen Austausch und zur Netzwerkerweiterung.

Die Möbelsprinter und advocado sind zwei unterschiedliche Beispiele von Greifswalder Startups. Beide haben ihre eigenen, erfolgreichen Unternehmenskonzepte. Der Einkauf von IKEA Möbeln für Greifswalder Einwohner wird höchstwahrscheinlich ein regionales Unternehmen bleiben, während Maximilian noch Großes mit seinem Team vorhat. Sie sind fleißig bei der Suche nach Investoren und wollen in zwei Jahren auf dem großen Markt konkurrenzfähig werden. Von diesem Ehrgeiz kann man sich noch ein Scheibchen abschneiden.

Philipps Tipps für Gründer

  • Marketing ist alles. Neben Flyern und Anzeigen erreichen Facebook und Co. heute einen Großteil deiner zukünftigen Kunden.
  • Baue dir ein solides Netzwerk mit nützlichen Kontakten aus deiner Branche auf.
  • Passe Produkt und Preis immer deiner Zielgruppe an.
  • Versuche, möglichst alles selber zu machen und lass dir von Freunden helfen. Das spart Geld und du lernst mehr.
  • Nimm unbedingt an Workshops und Ideenwettbewerben teil.
  • Dokumentiere die Prozesse, dann kannst du die Entwicklung deines „Babys“ besser reflektieren, um Schwachpunkte auszumerzen.
  • Nimm Kritik an und kritisiere dich selbst, denn es hängt nicht von einer „perfekten“ Geschäftsidee ab, sondern an der guten Umsetzung.
  • Und das Wichtigste: Gib nicht auf!

Nützliche Lektüre

  • „Kopf schlägt Kapital” von Günter Faltin
  • „From Zero to One“ von Peter Thiel und Blake Masters

Nützliche Adressen

  • www.capufaktur.de
  • www.primeacademy.eu
  • www.gründungswerft.eu

 

von Jenia Barnert

Foto: Markus Teschner