Blogger haben sich aufgrund ihrer großen Reichweite und Authentizität zu einem Phänomen im Internet entwickelt. Dadurch sind Unternehmen auf Sie aufmerksam geworden. Auch in Greifswald gibt es eine aktive und etablierte Bloggerszene.

Der allererste Weblog wurde 1991 von dem Erfinder des World Wide Webs, Tim Berner-Lee, ins Leben gerufen. Der Begriff „Weblog“ wurde jedoch erstmals 1997 verwendet. Der Duden definiert „Weblog“ (kurz: Blog) als „tagebuchartig geführte, öffentlich zugängliche Webseite, die ständig um Kommentare oder Notizen zu einem bestimmten Thema ergänzt wird.“ Nach einem langsamen Start in den 90er Jahren, erfuhren diese in dem neuen Jahrtausend dank kostenloser Weblog-Softwares wie „myblog“ und „blogspot“ sowie steigender Online-Nutzungsdauer ein schnelles Wachstum.

Schätzungsweise existieren 180 Millionen Blogs weltweit. Jedoch lässt sich aufgrund der hohen Dynamik der Blogosphäre statistisch schwer erfassen, wie viele aktive Blogs es tatsächlich im Netz gibt: Ein neuer Blog wird eröffnet, ein anderer stillgelegt, jedoch nicht zwangsweise aus dem Internet gelöscht. Das Alter der Blogger ist dabei genauso vielfältig wie die Themen, über die geschrieben, also gebloggt wird. Der Fantasie des Bloggers sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die Spannbreite reicht von Themen wie Haustiere, Beauty, Fashion, Politik, Sport, Videospielen und Ernährung über tagebuchähnliche Einträge, in denen die Leser über private Erlebnisse des Bloggers informiert werden, bis hin zu kulturellen Blogs, die sich auf eine bestimmte Stadt spezialisieren und über Neuigkeiten informieren oder Veranstaltungstipps geben. Auch die Motive zum Starten eines eigenen Blogs sind unterschiedlich. Nur eins ist allen Bloggern gleich: Die Liebe zum Schreiben.

Mehr als nur ein Hobby

Kurz vor ihrem ersten Bloggeburtstag steht die Leipzigerin Dinah, die mittlerweile bis zu 2 700 Seitenaufrufe pro Monat auf ihrem Blog „Sport & Kitchen“ (www.sportandkitchenstories.wordpress.com) hat: „Ich habe meinen Blog als Verbindung meiner Studienrichtung und meinen Lieblingsfreizeitaktivitäten eröffnet. Im Sommer schließe ich mein Masterstudium in Medien- und Kommunikationswissenschaften ab. Ich liebe es einfach zu schreiben. Aber genauso sehr liebe ich Sport und gutes, gesundes Essen. Da lag die Idee eines Blogs über gesunde Ernährung, leckere Rezepte und Sport sehr nah.“ Die 23jährige betreibt ihren Blog als reines Hobby, obwohl sie gestehen muss, dass der Zeitaufwand sehr hoch ist, um ihre Leser regelmäßig mit neuem Stoff zu versorgen.

Wie zeitaufwendig es ist einen Post, also einen Eintrag im Blog zu schreiben, kennt auch die Stralsunderin Manja. Sie ist 28 Jahre alst und hauptberuflich Immobilienkauffrau. Sie führt nebenher mit „My Little Japanese World“ (www.my-little-japanese-world.blogspot.de) ebenfalls einen Foodblog: „Ich muss einen Post planen, die Zutaten einkaufen, dann das jeweilige Rezept kochen, eine Fotosession planen und aufbauen, Teller anrichten und fotografieren. Dann folgt die Arbeit am Rechner: Fotos von der Kamera ziehen, gegebenenfalls bearbeiten, hochladen, Texte verfassen und alles im Einklang bringen.“ Sich kurz vor dem Laptop setzen, ein paar Zeilen schreiben und direkt einen Post zur Veröffentlichung haben, so einfach ist es also nicht. Vielmehr muss der Blogger die Besucher seiner Webseite mit verschiedenen und regelmäßigen Posts versorgen, um sie als langfristigen Leser zu gewinnen.

Bei Mädchen und Frauen besonders beliebt sind Beauty- und Fashionblogs, in denen über typische Mädchenthemen geschrieben wird: Schminke, Kleidung sowie Neuigkeiten in der Drogerie. Ein Beispiel, dass es beim Führen eines Blogs nicht vorrangig um die Anzahl der Abonnenten geht, sondern in erster Linie um die Leidenschaft, zeigt der Blog „The Beauty Diaris“ (www.thebeautiesdiaries.blogspot.de) von der 20jährigen Stuttgarterin Anne, die den Namen ihres Blogs von der erfolgreichen US-amerikanischen Fantasyserie „Vampire Diaries“ entlehnt hat. Mit über 200 Lesern bloggt sie seit nunmehr zwei Jahren zwei bis dreimal die Woche. Was als Fashionblog anfing, hat sich mittlerweile zu einem Beautyblog entwickelt, der aus Annes Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Weblogs sind wohl auch deshalb so im Trend, weil die Blogger völlig freie Hand in der Gestaltung ihrer Webseite haben. Sie kreieren ihr Layout selbst und legen ihre persönliche Meinung zu von ihnen selbst ausgesuchten Themen dar. Foodbloggerin Manja betont: „Ich arbeite mit Firmen oder Verlagen zusammen. Zum Beispiel stelle ich das neueste Kochbuch vor, koche ein Rezept daraus nach und bekomme dafür das Buch geschenkt oder darf Exemplare verlosen. Dies tue ich aber nur mit Sachen, von denen ich überzeugt bin, beziehungsweise schreibe ich meine Meinung.“ Auch Anne darf Produkte testen und dann darüber berichten, „allerdings ist es mir wichtig, dass ich jedes Produkt, das ich kostenlos erhalte, auch als PR-Sample kennzeichne. Meine Leser sollen wissen, dass ich diese Produkte dann kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen habe. Transparenz ist mir beim Bloggen sehr wichtig beim und ich bleibe immer ehrlich, auch wenn mir ein gesponsertes Produkt nicht so gefällt.“

mm117_27_Greifswelt_Blogging Mensch_Luke PamerMit dem Bloggen Geld verdienen

Gibt man in der Suchmaschine Google „Geld verdienen“ ein, so werden einem direkt „online“ oder „mit Blogs“ als Ergänzungen vorgeschlagen. Das ist kein Zufall, denn gerade Blogger haben mittlerweile eine Menge Möglichkeiten Geld mit ihren Blogs zu verdienen. Viele gehen mit diesem Thema ganz offen um und stellen ihre Einnahmen im Internet für jedermann zur Schau. Die Verdienste können dabei so hoch sein, dass sie einzig und allein vom Bloggen leben können. Aus einem Hobby wird somit ein Vollzeitjob. Eine gute Möglichkeit, Einnahmen zu erzielen ist Affiliate Marketing. Das bedeutet, dass jeder Blog eine freie Werbefläche hat, die er denjenigen zur Verfügung stellen kann, die im Internet werben möchten. Eine weitere Möglichkeit, mit dem eigenen Blog Geld zu verdienen, stellt die Pay per Click-Werbung dar, bei der Blogger pro Klick auf einen Link Geld verdienen. Ein Beispiel hierfür ist Google AdSense. Für bereits etablierte Blogs ist es außerdem sehr wirksam, selbst Werbung auf der eigenen Website zu verkaufen. Für Werbebanner bekommt der Betreiber einer Webseite abhängig von Angebot und Nachfrage pro tausend Einblendungen einen bestimmten Betrag. Viele Blogger bieten auch bezahlte Artikel an. Dabei schreiben diese einen Post über ein bestimmtes Thema und erhalten dafür Geld.

So viele Möglichkeiten es auch gibt, Einnahmen zu erzielen, das Führen eines Blogs ist kein Weg um schnell Geld zu verdienen. Es ist nicht ausreichend, sich geschickt anzustellen und professionell zu arbeiten. Um seinen Blog erfolgreich im Netz zu etablieren und sich einen Namen in der Blogosphäre zu machen, gehört bei der stetig steigenden Anzahl von Blogs auch immer eine Portion Glück dazu.

Bloggen in Greifswald

Die Liebe zum Bloggen ist mittlerweile auch in Greifswald angekommen. Wie unterschiedlich Blogs sein können, zeigen die Beispiele von Jockel und Uli. Während die Wahlgreifswalderin Uli mit ihrem Blog „Mauzepow“ (www.mauzepow.de) über private Erlebnisse schreibt, informiert Jockel seine Leser regelmäßig über Neuigkeiten aus der Hansestadt. Der gebürtige Greifswalder hat den Fleischervorstadt-Blog (www.blog.17vier.de) 2005 gegründet und sich damit das Ziel gesetzt ExgreifswalderInnen trotz räumlicher Distanz über Neuigkeiten aus ihrer Heimat zu informieren. Der 34jährige hat damit sichtbaren Erfolg. Mittlerweile hat er durchschnittlich 36 000 Besucher pro Monat. Eine beachtliche Zahl wenn man bedenkt, dass Greifswald etwa 55 000 Einwohner hat. Neben Posts des Betreibers des Blogs, gibt es die Möglichkeit für Leser, sich am Bloggen auszuprobieren und eigene Einträge zu beliebigen Themen auf der Webseite zu schreiben. Wer also ein Thema über die Hansestadt hat, aber keine geeignete Plattform, dem bietet Jockel an, sich bei ihm zu melden und einen Post auf seinem Blog zu verfassen. Jockel, der an der Universität greifswald Deutsch als Fremdsprache sowie Politik- und Kommunikationswissenschaft studiert hat und heute als Veranstalter und Techniker im Greifswalder Subkulturbetrieb aktiv ist, lädt mehrmals die Woche einen Artikel in seinem Blog hoch. Die Themen  sind dabei sehr vielseitig, enthalten jedoch immer einen direkten Bezug zu Greifswald. Eine ganz andere Art von Blog führt Uli, die in Greifswald seit 2010 Landschaftsökologie und Naturschutz studiert. Die 26 Jahre alte Studentin, die in Stralsund geboren ist, gibt ihren Abonnenten private Einblicke in ihr Leben. Beispielsweise berichtet sie über den gemeinsamen Winterurlaub mit ihrem Freund und stellt ihren Lesern auch anschauliche Bilder zur Verfügung.

Aufgrund der hohen Anzahl aktiv geführter Blogs werden mittlerweile sogenannte Bloggercamps angeboten, bei denen sich Gleichgesinnte treffen und sich über Themen und Erfahrungen austauschen können. Auch Manja hat bereits an solch einem Event teilgenommen: „Ich war letztes Jahr im Oktober auf einem Foodbloggercamp beziehungsweise Barcamp in Berlin. Das ist ein Treffen von Bloggern für Blogger. Jeder, der etwas Bestimmtes kann oder weiß, kann dort eine Session anbieten. So habe ich zum Beispiel eine Sushi-Session angeboten, wo man die Basics des Rollens lernen konnte.“ Bloggen ist also schon lange keine Tätigkeit mehr, die jeder Blogger für sich allein von zu Hause aus betreibt. Vielmehr verbindet die Leidenschaft und es entstehen neben virtuellen Vernetzungen im Word Wide Web mitunter sogar Freundschaften.

von Maria Moll

Fotos: David Mao (Titelbild), Luke Pamer  (Person) beide über unsplash.com