Für uns

„Seit Wochen zerstören IS-Schergen im Irak die Jahrtausende alten Weltkulturerbestätten aus religiösen Vorwänden. Und hier bei uns in Mecklenburg-Vorpommern – ich setze das nicht gleich, aber vergleichen muss man das schon – hat momentan im Namen des Geldes die Zerstörung funktionierender Theaterstrukturen begonnen.“ Gewagt, keine Frage. Falsch an der Aussage von Sewan Litchinian, dem aus- und wieder eingesetzter Rostocker Intendanten, ist jedoch lediglich der überflüssige Einwurf „ich setzt das nicht gleich“. Ich kann mir Herr Brodkorb im nächsten Wahljahr ganz gut mit dem, nicht nur sprichwörtlichen, Vorschlaghammer vorstellen.

Wer jetzt denkt, es geht ja nur um Rostock und wir, hier in den Outlands nahe Polen, haben doch mit der Landesbühne und dem Theater Vorpommern alles was es braucht, der sei an den offenen Brief nach Schwerin der fünf Bürgermeister aller Spielstätten der Landesbühne erinnert. Ins Gedächtnis rufen darf man sich auch die Proteste in Neustrelitz und, dass es, behaupte ich jetzt mal, nirgendwo in Vorpommern so viel Lohnverzicht wie in der Theaterbranche gibt, was gerade die Landesbühne finanziell sehr gesund scheinen lässt – ein Narr, wer diesen Strohhalm nicht erkennt. Brodkorb hat ihn erkannt und hält den Kommunen die Pistole an den Rücken, nur um sie gleichzeitig grinsend zu umarmen, als erwarte er Dank für das Geschenk. Wer das Eckwertepapier zur Zukunft der Theaterlandschaft Vorpommern gelesen hat, wovon das Kulturabbauministerium in Schwerin nicht auszugehen scheint, wird feststellen, dass sich Brodkorb verhält wie ein Vater, der gerade mit der Mutter Kultur in einem Rosenkrieg um seine vielen Kinder steckt.

Jedes Kind, das den Kurs von Papa mitträgt, kann sich einer ausreichenden Finanzierung, genügend Arbeitsplätzen, Lohn nach Flächentarif und der Gunst der netten Onkel im Schloss Schwerin sicher sein. Alle die nicht spurten, bekommen den Geldhahn auf ein Minimum oder komplett abgedreht. Taschengeld- und Liebesentzug für die unerzogenen Gören, wortwörtlich unter Punkt II „Alternativen“ in dem Papier festgehalten.

Papa Brodkorb will mit dem Todschlagargument Ausfinanzierung gewinnen, denn keiner will vor den anderen auf dem Schulhof alte Klamotten tragen. Das heißt aber auch, dass man nicht mehr alles bei Mama bekommt und für Plätzchen oder leckeren Kuchen zu Oma oder Tante nach Stralsund und Neubrandenburg fahren muss. Es wird dann kein Vierspartentheater mehr in Greifswald geben. Der Vergleich mit der IS vom Rostocker Intendanten ist zwar plakativ, hat den Kern des Problems aber nicht getroffen. Was hier passiert ist wesentlich profaner. Es geht um Macht und es geht darum 2016 zur Wahl, mit dem Staatstheater NordOst, ein Konzept zu haben, mit dem alle glücklich sind. Aber das wird nicht geschehen, denn das Jugendgericht, das über die Sorgepflicht entscheidet, sind in diesem Fall die Bürger, die sich, sofern bei klarem Verstand, immer für die liebende Obhut der Mutter und nicht den schmierigen Vater, der mehr Wert auf Etikette als gute Erziehung legt, entscheiden.

Bild_KolumneWarum eigene Worte finden, wenn es doch schon jemand wie Jean Baptiste Molière gesagt hat: „Der Grammatik müssen sich selbst Könige beugen, aber kein Internetnutzer mehr.“

von Philipp