Liebe Weltgesundheitsorganisation, liebe AOK, ich kann euch ja verstehen. Ein bisschen zumindest. Wenn ich durch den Supermarkt laufe, sehe ich mehr Schokoladensorten als Obst oder Gemüse. In den Auslagen der Bäckerei nebenan glitzert mir Zuckerguss auf Kuchen und Gebäckstückchen entgegen. Wir essen ziemlich viel Süßes.

Ihr sagt, Zucker macht krank. Deshalb hast du, liebe WHO, die empfohlene Tagesmenge von 50 auf 25 Gramm reduziert. Das sind sechs Teelöffel. Oder eine halbe Tafel Schokolade. Oder zwei Kugeln Eis. Und du, liebe AOK, willst deshalb eine Zuckersteuer einführen. Denn wir Deutschen konsumieren davon dreimal so viel wie wir eigentlich sollten.

Das klingt alles einleuchtend für mich. Aber glaubt ihr wirklich, euer erhobener Zeigefinger erreicht unsere Herzen? Ich sitze so gern am Strand mit meinem Eis in der Hand, manchmal habe ich nur eine Kugel, manchmal auch drei. In der Prüfungszeit ist der Marsriegel neben meinem Laptop obligatorisch. Ich mag Popcorn, backe für mein Leben gern und liebe Toffifee. Und ich bin nicht dick. Ich zähle keine Grammzahlen und habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich mal mehr als nötig esse. Und ich will das auch nicht. Ich will keine Zuckersteuer, die mir den Genuss vermiest. Vielleicht solltet ihr den Menschen nicht ständig erzählen, was sie falsch machen. Schokolade gehört genauso zum Leben wie ein saftiges Vollkornbrot, eine knackige Paprika, Sonne, Herzensmenschen und eine Fahrradtour im Sommer. Vielleicht solltet ihr lieber die Lebensfreude fördern, für mehr Energie und Endorphine sorgen. Dann brauchen wir auch weniger Zucker. Und ihr weniger Zeigefinger.

von Tine Burkert

Foto: Tine Burkert