Es gibt neun Millionen Fahrräder in Beijing. In Greifswald sind es gefühlt genauso viele. Doch kaum eines davon ist vollständig intakt und gut gepflegt. Schenkt euren Drahteseln mehr Liebe! Hier findet ihr Tipps und Tricks wie es geht.

Licht ins Dunkle bringen

Kaputte Fahrradlampen können teuer und gefährlich werden. Ihr müsst aber nicht jedes Mal zum Fahrradladen, wenn euch mal wieder kein Licht aufgeht. Viele Ursachen bekommt man auch alleine wieder behoben. Wichtig ist erst mal, dass ihr checkt, ob beide Lampen streiken. Ist das der Fall, liegt es meist am Dynamo und der professionelle Fahrraddoktor ist zu konsultieren. Wenn nur eine Lampe des Leuchtens müde ist, prüft zunächst einmal alle Kabel, die zu der entsprechenden Leuchte führen. Der nicht isolierte Teil des Kabels sollte ungestörten Kontakt zum Metalladapter der Lampe und des Dynamos haben. Ist das Kabel leicht weißlich, steht das für eine Korrosion, die leicht entfernt werden kann. Stellt also sicher, dass der Strom fließen kann. Hat das nicht geholfen, könnte es am Massekontakt von Dynamo und Lampe mit dem Rahmen liegen. Damit eine Lampe leuchtet, braucht sie einen hinleitenden Kontakt durch das Kabel und einen wegleitenden Kontakt. Letzterer wird durch die Verbindung des Dynamos und der Lampe zu blankem Metall gebildet. Ist diese Verbindung verschmutzt oder rostig kann der Strom ebenfalls nicht fließen. Wenn euch jetzt kein Licht aufgegangen ist, steht die Prüfung der Glühlampe an. Ist der Glühfaden durchgebrannt, sollte ein schnellstmöglicher Wechsel erfolgen, sonst brennt euch auch bald die zweite Lampe durch. Ersatz bekommt ihr in Baumärkten und Fahrradläden. Das Tauschen funktioniert ähnlich wie bei einer Deckenlampe. Viel Glück bei der Fehlersuche!

Stopp, Bremsbeläge wechseln

Und schon wieder musstet ihr abspringen, damit das blöde Fahrrad endlich anhält. Peinlich! Wenn die Bremsen nicht mehr funktionieren liegt das oft an heruntergefahrenen Bremsbelägen, also dem schwarzen Gummi, dass beim Anziehen der Bremse die Felgen berührt. Die findet ihr in jedem Falle vorne an der Felge. Habt ihr keinen Rücktritt, gibt es auch noch ein Pendant am hinteren Reifen. Zu Beginn solltet ihr mal den Bremshebel benutzen und gucken, wann die Bremsen die Felge berühren. Wenn das nicht nach dem ersten Drittel das Anziehens der Fall ist, kann der Bremszug, also das Drahtkabel, das vom Hebel zur Bremse führt, über eine Stellschraube nahe des Reifens angezogen werden. Dadurch kommen die Bremsbeläge näher an die Felge, weiter als ein bis zwei Millimeter sollten sie davon nicht entfernt sein. Das hilft oft schon. Falls nicht, prüft die Bremsbeläge. Die haben meist eine Markierung, die anzeigt, wann ein Wechsel nötig ist. Jetzt zum Austausch, der ist ein wenig kniffelig: Zunächst einmal müsst ihr euch ein Ersatzset kaufen. Es gibt nie nur die Beläge, es müssen immer gleich neue Bremsschuhe, Beläge plus Halterung, sein. Geht leider nicht anders. Die meisten Sets liefern auch schon eine kleine Anleitung. Aber Achtung, ohne ein bisschen spezielles Werkzeug funktioniert das nicht. Mit dem löst ihr die alten Bremsschuhe und bringt die neuen auch in der gleichen Schraubenreihenfolge wieder an. Dabei solltet ihr unbedingt auf die Richtung achten, aber auch die ist meist gut sichtbar auf den Bremsschuhen markiert. Bevor ihr euch mit eurem Drahtesel wieder auf die Straße traut, prüft die Bremsen zunächst abseits des Straßenverkehrs auf ihre Haltbarkeit.

Neuer Lack

Bei so vielen Fahrrädern in so einer kleinen Stadt fällt es schon mal schwer, den eigenen Drahtesel wieder zu erkennen. Manche helfen sich mit Blumen an den Körben, andere wählen die rigorose Farbrolle. Einfacher geht es mit einer italienischen Idee namens Fix Your Bike. Für knapp 50 Euro bekommt ihr eine Box mit sieben Aufklebern, die nur noch zugeschnitten und auf den penibel geputzten Rahmen geklebt werden müssen. Klar, das Ganze ist nicht wirklich günstig, aber bei der riesigen Auswahl an Designs kann man sich sein ganz individuelles Lieblings-Fahrrad kleben. Preisgünstiger erreicht ihr das nur mit der Spraydose aus dem nächsten Baumarkt, wobei man die Farbe nicht wieder mit einem Föhn abbekommt, wie es bei den Aufklebern der Fall ist. Außerdem müsst ihr für die Sticker nicht das gesamte Rad auseinander bauen. Vor allem soll die klebende Folie nach Herstellerangaben bis zu fünf Jahre halten, wasser- und UV-fest sein.

Fahrradreifen wechseln

Na, wieder durch die Scherben hinterm Mensa-Club gefahren? Da lässt ein platter Reifen nicht lange auf sich warten. Um das Malheur wieder zu beseitigen, solltet ihr den Reifen vollständig vom Rahmen abmontieren. Dafür braucht ihr in der Regel den passenden Schlüssel. Vielleicht kann euch ja da ein Nachbar helfen, wenn eure eigene Werkzeugkiste nicht ausreichend bestückt ist. Habt ihr den Reifen erst einmal in der Hand müsst ihr die Gummihülle, also den eigentlichen Reifen, in das Felgenbett drücken und anschließend mit einem flachen Gegenstand heraus hebeln. Wichtig ist dabei, dass ihr den darunter liegenden Fahrradschlauch nicht beschädigt. Passt dabei auch aufs Ventil auf. Dann löst ihr den Reifen vollständig von der Felge. Der Schlauch sollte sich dann leicht entfernen lassen. Nun sucht ihr das böse Loch der Mensa-Scherben in einem Wasserbad und flickt den Schlauch nach der Anleitung eures Flickzeugs, das bereits parat liegen sollte. Im Anschluss drückt ihr eine Seite des Reifens wieder ins Felgenbett und versteckt den Schlauch darunter. Das geht leichter, wenn ihr den Schlauch vorher leicht aufpumpt. Danach darf auch die zweite Seite des Reifens wieder ins Felgenbett. Zum Schluss müsst ihr den Reifen wieder vollständig aufpumpen. Achtet dabei darauf, dass der Schlauch gleichmäßig im Reifen liegt. Ist doch gar nicht so schwer, wie das bei Papa immer aussah.

Kette pflegen

Die Greifswalder Witterung ist ein wahrer Feind für jede Fahrradkette. Zum Dank dafür dürft ihr alle 800 Meter absteigen und werdet bald Weltmeister im Kette-wieder-auffädeln sein, wenn ihr das gute Stück nicht hegt und pflegt. Für jede Art der Reinigung wichtig: Fahrrad auf den Kopf stellen. Den normalen Alltagsschmutz entfernt ihr mit einem normalen Lappen, den ihr vorher mit einem Lösungsmittel angefeuchtet habt. Da bietet sich alles Fettlösliche an. Schonender ist die Reinigung mit Öl. Umfasst mit dem Lappen einfach im hinteren Drittel die Kette und dreht an den Pedalen. Den groben Schmutz wird man auch gut mit einer Zahnbürste los, vielleicht habt ihr die aus dem Ersti-Beutel ja noch irgendwo rumliegen. Vergesst dabei nicht die Scheiben der Gangschaltung. Auch das regelmäßige Ölen darf nicht zu kurz kommen. Die Fachwelt empfiehlt hierfür Mineralöl. Einfach oberhalb der Kette halten und wieder an den Pedalen drehen. Dann verteilt sich das Öl ganz schnell von selbst in den durstigen Kettengelenken.

von Lisa Klauke-Kerstan

Zeichnung: Anna Gusewski