Sechs Monate lang wurde organisiert, um eine zehn Jahre alte Idee wiederzubeleben: Der Stadtimpuls, ein ehrenamtlich organisiertes Festival im Zirkuszelt. Robert (unter anderem GrIStuF, StuThe), Jan (StuThe) und Katrin berichten.

Ihr habt die Arbeit für den Stadtimpuls in Gruppen eingeteilt. In welcher Gruppe arbeitest du mit? Und was macht ihr da genau?
Robert: Logistik und Technik. Darunter fällt quasi die ganze Koordination. Wann werden die Sachen geliefert, die man selbst nicht abholt? Also zum Beispiel das Zelt und die Toilettencontainer oder irgendwelche großen Teile, die noch kommen. Wie wird das Zelt von innen ausgestattet? Welche Anlage kommt da rein? Wann kommt die? Wie wird die angeschlossen? Der Strom muss verlegt werden, ein Wasseranschluss muss pünktlich da sein und all sowas. Damit nicht so viel Leerlauf stattfindet, sollte alles gut ineinander übergreifen.
Jan: Finanzen.
Katrin: PR und Öffentlichkeitsarbeit.

War euch von vornherein bewusst, was da an Aufwand in der Logistik auf euch zukommt?
Robert: Dadurch, dass ich in verschiedenen Vereinen bin und schon das Greifswalder International Students Festival (GrIStuF) 2014 und 2012 mitgemacht habe, war ich jetzt nicht überrascht, was alles zu tun ist und was man machen muss.
Aber es sind trotzdem immer neue Sachen. Eine Bühne aufzubauen ist etwas anderes als ein Zelt hinzustellen und es vier Wochen lang auszustatten und zu bestücken. Ein Abend oder vier Wochen, das ist ein großer Unterschied. Und das muss alles mit bedacht werden und war für mich die eigentliche Herausforderung bei diesem großen Ding.
Aber dadurch, dass ich ja in den verschiedenen Vereinen bin, weiß ich, was es an Material gibt, das man sich ausborgen kann, und wo man die unterschiedlichen Geräte herbekommt.
Jan: Die wirkliche Herausforderung bei diesem Projekt ist natürlich die Größe der Gruppe gewesen, die das organisiert. Und auch die Tatsache, dass sich fast alle Gruppenmitglieder, die zu den Planungstreffen zusammenkamen, nicht kannten. Viele kennen sich heute immer noch nicht so richtig. Langsam sind wir aber zusammengewachsen und ein Teamgeist ist entstanden.

So ein Zirkuszelt und das ganze Drumherum kosten doch bestimmt nicht wenig, oder? Wie habt ihr denn das Geld zusammen bekommen?
Jan: Jede Veranstaltung hat natürlich ihre eigenen Kosten. Da brauche ich jetzt nicht groß erzählen, was welche Veranstaltung kostet. Wir haben uns aber immer erhofft, dass die Eintrittspreise die Leute dazu einladen, einfach zu kommen. Auch Menschen, die jetzt nicht so viel Geld haben, damit wir ein möglichst großes Publikum begrüßen können. Und dann sollte eigentlich bei der einen oder anderen Veranstaltung am Ende auch noch etwas übrig bleiben. In der Summe bleibt dann aus den Veranstaltungen so viel übrig, dass wir damit ein Drittel aller Zeltkosten refinanzieren können. Die anderen zwei Drittel sind durch Anträge zustande gekommen, die bei der Stadt, beim Studierendenparlament, beim Studentenwerk, bei einer Stiftung und bei Privatpersonen gestellt wurden. Und dann eben auch über Spenden, für die wir verschiedene Aktionen gestartet haben.

„Eine Bühne aufzubauen ist etwas anderes als ein Zelt hinzustellen und es vier Wochen lang auszustatten und zu bestücken.“

 

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Was für Spendenaktionen waren das?
Katrin: Zum Beispiel haben wir mehrere Spendenhäuschen getöpfert, die in der Stadt verteilt standen. Das waren kleine Zirkuszeltchen und daneben lag ein Programmheft, um die Leute zu informieren, was der Stadtimpuls ist. Außerdem ist auf unserer Homepage der Spendenaufruf zu finden und dort steht auch, wie man uns unterstützen kann.
Jan: Es gab auch Spendenbriefe. Wir haben über 60 Unternehmen angeschrieben, aber auch in Privat-Briefkästen sind diese Spendenaufrufe als Flyer reingeflattert.

2004 fand schon mal ein Stadtimpuls statt. Was ist in diesem Jahr anders und was wurde beibehalten?
Jan: Die Idee wurde aufgefrischt, ein paar der Leute von früher sind dennoch mit im Boot. Damals war diese Veranstaltungsreihe aber viel kürzer. Da waren es nicht drei Wochen sondern drei Tage. Es waren viel weniger Gruppen, nämlich nur zwölf. Heute gibt es viel mehr Vereine und Gruppen in Greifswald. Die Leute sind viel organisierter und breiter aufgestellt. Das Studentische und das Nicht-Studentische hat sich noch mehr durchmischt.
Katrin: Hinzu kommt die Raumproblematik der Vereine. Das war damals schon ein Punkt, der aufgegriffen wurde, und ist heute immer noch aktuell. GrIStuF ist ein Beispiel dafür. Beim StuThe (StudentenTheater) sieht es auch in der Zukunft nicht ganz so rosig aus. Deshalb haben wir die StraZe (Stralsunder Straße 10/11) als Veranstaltungsort ausgewählt, weil das wieder ein Platz werden soll, wo Greifswalder Kultur zusammenläuft. Ehrenamt braucht eben auch Räume und aus diesem Grund wurde das Festival, jetzt knapp zehn Jahre später, noch einmal organisiert.

Wann habt ihr mit der Organisation angefangen?
Katrin: Ende letzten Jahres oder Anfang diesen Jahres ging die erste Mail von Jan rum, in der er die Idee des Stadtimpulses vorgestellt und gefragt hat, wer mitmachen möchte. Jan war 2004 bereits dabei. Im Januar war dann das erste Treffen.

„Die StraZe soll wieder ein Platz werden, wo Greifswalder Kultur zusammenläuft.“

Was ist denn der „Impuls“, den ihr der Stadt geben wollt? Was gibt der Stadtimpuls Greifswald, was vorher fehlte?
Katrin: Es soll auf alle Fälle darauf aufmerksam machen, was in Greifswald durch Ehrenamt geschaffen wird und was dadurch möglich ist.
Jan: Mir war wichtig, zu zeigen, dass die Kultur nicht unbedingt große Bühnen braucht. Hinzu kommt, dass wir unseren Blick wieder auf die Jugendkultur wenden müssen. Die Jugend geht laut Gesetz bis Mitte Zwanzig. Das sind nicht nur ein paar Vierzehnjährige, die mal eine Cola an irgendeinem anonymen Tresen schlürfen wollen, sondern die ganze Generation, die gerade aus der Schule gekommen ist oder die Schule bald verlassen wird, bis in das Studium hinein. Das ist die junge Generation, das ist die Jugend. Und diese Jugendkultur braucht Raum. Das ist enorm wichtig, denn in diesen Räumen wird die Zukunft von Deutschland verhandelt. Wenn das beschnitten wird, dann ist das nicht so toll. Diesen Impuls möchte ich der Stadt noch mal geben. Diesen Ort hier, die StraZe, möchte ich durch diesen lebendigen Impuls bereichern, für die Zukunft, denn hier entsteht so ein Raum für Jugendkultur.
Robert: Ich finde es wichtig zu zeigen, allen Menschen in der Stadt und ringsherum, was möglich ist. Wie viele Vereine es gibt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die einen kümmern sich um Lesungen, die anderen machen Theater, die nächsten veranstalten die Fête de la Musique. Das alles unter einem Dach, an einem Ort zusammen mit einem Festival zu haben finde ich total schön, so dass derjenige, der zur Lesung geht, auch mitbekommt, dass es auch noch schöne Musik gibt und andererseits der, der für die Musik kommt, liest das Programm und denkt sich „Ah, ich könnte ja auch mal zu so einer Lesung gehen, oder mir ein Theaterstück angucken“ und so weiter. Das ist, finde ich, total spannend, dass das an einem Ort zusammengebracht wird.

„Wer sich in einen Kreis setzt, der begegnet sich hierarchiefrei.“

 

mm118_32-34_Greifswelt_Stadtimpuls3_Lisa Klauke-KerstanWoher kommt die Idee für das Zirkuszelt?
Jan: Das GrIStuF 2005, das ist jetzt zehn Jahre her, fand in einem Zirkuszelt statt. Da haben viele Vereine, die ein Jahr zuvor den Stadtimpuls gegründet haben, zusammen in dieses Zirkuszelt hineingearbeitet. Fast alle dieser Vereine sind jetzt, zehn Jahre später, auch wieder dabei. Bei dem Stadtimpuls 2004 gab es noch kein Zirkuszelt aber ein großes Festzelt. Das regionale Theatertreffen in diesem Jahr, 2015, hat nicht so viele Räume zur Verfügung, wie es bräuchte, um dieses stattfinden zu lassen. Man brauchte für die Veranstaltungen also ein Zelt. Das brachte uns auf die Idee zu sagen, wir verbinden die Gedanken 2004/2005 mit den Zelten und dem Stadtimpuls 2015, indem wir auch wieder ein Zelt organisieren. Außerdem ist es passend, weil ein Zirkuszelt rund ist. Und wer sich in einen Kreis setzt, der begegnet sich hierarchiefrei. Alle Stadtimpuls-Runden haben in Form eines Kreises stattgefunden, obwohl das nie abgesprochen war. Die Leute haben sich alle, egal ob wir zehn, vierzig oder zwanzig Leute waren, intuitiv in einen Kreis gesetzt.

von Juliane Stöver & Marei Thomas

Fotos: Lisa Klauke-Kerstan