Volker Grundmann

28 Stationen der Deutschen Rettungsflugwacht gibt es in der gesamten Bundesrepublik. Für Mecklenburg-Vorpommern ist Christoph 47 im Einsatz. Im letzten Jahr leistete die Besatzung insgesamt 1.330 Einsätze. Einer der Piloten des Rettungshubschraubers ist seit 1992 Volker Grundmann. Im Gespräch mit dem moritz. erklärt der 56-Jährige, warum er nur am Tag in der Luft ist und wie oft die Luftretter gebraucht werden.

Wie kommt man auf die Idee, Rettungspilot zu werden?
Ich habe mich 1989/1990 dazu entschlossen, weil damals mit der Wiedervereinigung meine eigentliche Aufgabe als Fluglehrer bei den Luftstreitkräften der Nationalen Volksarmee (NVA) weggefallen ist. Ich musste mich neu orientieren und habe geguckt, was man mit Hubschraubern noch machen kann. Nach der Wende ist man darauf gestoßen, dass in den alten Bundesländern ein Netz mit Hubschrauberrettungsstationen existiert und es in den neuen Bundesländern Nachholbedarf gibt. Auf diesem Wege hat mein Weg in die Rettungsfliegerei begonnen.

Wie viele Mitglieder gibt es an der Rettungsstation? Wie viele Piloten arbeiten hier?
Auf unserer Station arbeiten drei Piloten. Ein Team besteht immer aus einem Piloten, einem HEMSTC und einem Notarzt. HEMSTC bedeutet Helicopter Emergency Medical Service Technical Crew Member. Das ist bei uns ein Rettungsassistent, der eine Zusatzausbildung hat, um den Piloten bei der Flugdurchführung zu unterstützen. Vom Beruf sind sie Fachschwester oder Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, unsere fliegenden Notärzte sind ebenfalls Fachärzte in diesen beiden Bereichen. In den Teams wechseln wir durch. Insgesamt haben wir neben den drei Piloten sechs HEMSTCs und in etwa 20 Notärzte.

Wie viele Einsätze fliegen Sie im Monat und wie viele Stunden sind Sie täglich im Einsatz?
Die Einsatzzahlen sind abhängig von der Länge der Dienstzeit. Das heißt, wenn die Sonne zeitiger untergeht, wie in den Monaten Januar und Dezember, fliegen wir nicht so viele Einsätze. Dann sind wir circa 60 bis 80 Mal pro Monat im Einsatz. Im Sommer fliegen wir monatlich bis zu 180 Einsätze, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass unsere Einsatzzahl direkt von den Menschen in unserem Einsatzgebiet abhängt. Diese verdoppelt sich im Sommer durch die Urlauber auf den Inseln. Am Tag bin ich von 7.00 Uhr bis momentan 21.30 Uhr im Einsatz. So dürfen wir an vier aufeinanderfolgenden Tagen arbeiten. Dann müssen wir zwei Tage Pause einlegen.

Warum fliegen Sie nicht auch nachts?
Der Hubschrauber ist prinzipiell für den Nachtflug ausgestattet und wir haben auch die entsprechenden Lizenzen in der Nacht zu fliegen. Dass wir nachts nicht fliegen, hängt mit unserer Beauftragung zusammen. Wir haben einen entsprechenden Vertrag mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern, in dem festgelegt ist, dass wir nur am Tag fliegen. Wenn gewünscht, könnten wir auch in der Nacht fliegen. Die zusätzlichen Kosten müssten jedoch von den Krankenkassen refinanziert werden.  Nachts zu fliegen unterscheidet sich vom Fliegen am Tag. In der Nacht fliegen wir an unseren 24-Stunden Stationen in Deutschland nur erkundete und beleuchtete Landeplätze an. Das sind zum einen Patiententransporte von Krankenhaus zu Krankenhaus oder Notfalleinsätze zu bekannten Landestellen, an denen der Rettungsdienst oder die Feuerwehr einen beleuchteten Landeplatz hergerichtet haben.

Wie schnell sind Sie einsatzbereit?
Alarmiert werden wir mithilfe eines Piepers durch die Rettungsleitstelle Greifswald. Da unsere Diensträume in unmittelbarer Nähe des Hubschraubers sind, sitzen wir bereits nach 15 bis 20 Sekunden im Hubschrauber und lassen die Triebwerke an. In ein bis zwei Minuten sind wir dann in der Luft auf dem Weg zum Einsatzort.

Herr Grundmann, vielen Dank für das
Gespräch.

Das Gespräch führte Tobias Bessert.

Foto: Tobias Bessert