Für nichts und wieder nichts.

Kennt ihr sie noch, die gute alte Zeit? Die elf Tage zwischen dem 10. und 21. Mai, als Greifswald noch dachte, einen neuen Oberbürgermeister zu haben? Den ersten Grünen in den neuen Bundesländern. Schön war´s. Allerdings muss die Wahl von Stefan Fassbinder bei den CDU-Crewmembern ähnliche Urängste ausgelöst haben wie die Möglichkeit, zwei Männer könnten sich küssen, was folgerichtig die Öffnung des Höllenschlundes in der Greifswalder Innenstadt und Platzregen in Form von Schwefel und homosexuellen Wirtschaftsflüchtlingen nach sich ziehen würde – ein schrecklicher Gedanke.

Deswegen wurde, von zwei sich vollkommen unbekannten Personen, unterstrichen sich nicht zu kennen. Das wurde mit der Vehemenz eines Magiers – „Können Sie bestätigen, dass wir uns noch nie gesehen haben, bevor ich mit dem Zaubertrick anfange?“ – immer wieder wiederholt. Dass der eine im Vorstand des CDU-Wirtschaftsrates für die Sektion Greifswald/Vorpommern sitzt und der andere vermutlich der Bruder des ebenfalls konservativen Bürgermeisters von Karlsburg ist, soll hier als eine von den Illuminaten und Anonymus verbreitete Lüge stehen bleiben. Auch, dass Jörg Hochheim himself ebenso Einspruch einlegte, ist nur darin begründet, dass er es seinen 15 fehlenden Wählern schuldig ist – ein wahrer Mann des Volkes.

Wer am 8. Juni in der Bürgerschaftssitzung zum Oberbürgermeisterverbrennungsprozess anwesend war, wird bestätigen, dass es sinnvoller gewesen wäre, Herrn Fassbinder nach gutem, mittelalterlichem Brauch im Ryck zu versenken. Geht er unter, darf er das Amt antreten, schwimmt er, ging es bei der Wahl eindeutig mit Hexerei zu. Wie sonst konnte sich eine mehrfach gefaltete Fußmatte einfach unter der Tür des Wahlbüros 093 lösen, sodass diese zufiel und der pflichtbewusste Greifswalder Herr K. sein im Grundgesetz verankertes Recht, wählen zu dürfen, gegen 11 Uhr nicht wahrnehmen konnte? Verfahrensweisen, wie sie sonst nur aus Florida um die Jahrtausendwende und Schurkenstaaten bekannt sind. So ist es nur logisch, dass die Wahlausschussleiterin und die Wahlhelfer in der Bürgerschaft trotz zweistündigem Waterboarding nicht klar sagen konnten, ob 15 Hochheimerianer vom Thälmannring beim Kreuzchenmachen behindert wurden oder nicht. Ein Türmattengate im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann nur von Glück sprechen, dass alle Abgeordneten statt ihres Mandats den Flachmann haben ruhen lassen und ein Wahlprüfungsausschuss mit umfangreichen Kompetenzen installiert werden konnte, sodass dieser die getragene Unterhose voller Bremsspuren an unbeantworteten Fragen auf links drehen kann und sie dadurch sauber wird. Kaugummis schmecken ja auch irgendwann wieder, wenn man sie weiterkaut.

Am 29. Juni kann durch die Bürgerschaft dann entschieden werden, ob und wie die Wahl wiederholt wird oder ob Klage eingereicht wird, was die Querschnittslähmung für die Greifswalder Verwaltung bedeuten würde. Das alles hat ein bisschen den Beigeschmack von dem kleinen, dicken Jungen, mit dem wir alle in der Schule gespielt haben, weil er die Playstation hatte, der allerdings immer, kurz bevor er beim Zocken verliert, die Konsole ausgemacht hat.

Bild_KolumneWarum eigene Worte finden, wenn es doch schon jemand wie Jean Baptiste Molière gesagt hat: „Der Grammatik müssen sich selbst Könige beugen, aber kein Internetnutzer mehr.“

von Philipp