Wie viel ist mir eine gute Bachelorarbeit wert? Die Entscheidung, ob man eine wissenschaftliche Arbeit von Freunden oder professionell lektorieren lässt, macht einen großen Unterschied. Möglichkeiten und Sinn eines bezahlten Lektorats.

Kevin vertraut seinen Freunden. Zumindest wenn es um das Lektorat von Hausarbeiten geht. „Zeichensetzungsfehler und so weiter beeinflussen die Benotung nicht so stark und das Meiste findet das Rechtschreibprogramm. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein fachfremder Lektor inhaltlich so viel verbessern kann, wie ein Kommilitone, der eher in dem Thema drin steckt.“ Andreas Schmidt hat schon während seines Germanistikstudiums wissenschaftliche Arbeiten aus seinem Umfeld korrigiert, Anfang der 2000er bot er seine Dienste noch auf dem Schwarzen Brett an. Das Forum ryckwärts! gab es damals noch nicht. Seit 2008 betreibt er sein eigenes Gewerbe, LektoraTeX, als Lektor. Mangelnder Fachkenntnis setzt er somit seine langjährige Erfahrung entgegen. Aber auch die hilft nicht immer, wenn eine Doktorarbeit über Plasmaphysik vor ihm liegt und verstanden werden will. Wenn seine Recherchen dann nicht ausreichen, um den Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit nachvollziehen zu können, stellt Andreas Fragen. Fragen, die der Autor beantworten muss. Vielleicht ist die Arbeit ja stilistisch nicht gut geschrieben und deswegen so unverständlich. Mit seinem selbst angeeigneten Grundwissen sollte Andreas schließlich zu der wissenschaftlich informierten Zielgruppe der Arbeit gehören und den Text verstehen. Vielleicht hat der Lektor aber auch schlicht zu wenig Informationen sammeln können und kann deshalb den Ausführungen nicht folgen. Die Kommunikation mit dem Kunden ist dann sehr wichtig.

Ping-Pong kann teuer sein

Das erklärt, wie ein Lektor mit fachfremden Themen umgehen kann, aber es gibt noch mehr mögliche Schwachstellen, wenn man seine Arbeit von einem Profi verbessern lässt. Denn so ein Profi saß ja schließlich nicht bei dem Dozenten in der Vorlesung und kennt auch dessen Vorlieben nicht. Das ist für Lektoren wie Andreas, die sich auch um Hausarbeiten kümmern, ein wichtiger Punkt. Sein Gegenmittel ist auch hier der Kontakt zum Kunden: „Gut ist natürlich, wenn man gesagt bekommt, dass ein Dozent besonders dies oder das haben möchte. Gerade bei Formsachen.“ Er betont, dass es gerade bei einem Lektorat, bei dem man auf den Inhalt eingeht, notwendig ist, gut zusammenzuarbeiten und mehr Zeit einzuplanen. Er vergleicht den Prozess mit einem Ping-Pong- Spiel. „Der Kunde schickt mir etwas und ich schicke es zurück. Ich möchte ihm nicht meine Variante aufdrücken. Es passiert oft, dass ein Kapitel ein paar Mal hin und her geht.“

Julia, eine Kundin von Andreas, ist begeistert von der Zusammenarbeit. „Andreas hat sich mit mir zusammengesetzt und wir sind die Arbeit Stück für Stück durchgegangen. Dabei sind schon einige Nächte draufgegangen.“ Julia hat bwl und Marketing studiert. Bei ihrer Diplomarbeit ging ihr gegen Ende die Puste aus, woraufhin sie sich an Andreas gewandt hat. Der hohe Anspruch, der an die Diplomarbeit gestellt wird, war ihr die Kosten für das Lektorat wert. „Es war preislich völlig in Ordnung“, meint sie. Maximilian, ein anderer Kunde, sieht das kritischer: „Man sollte vorher genau darüber sprechen, was man erwartet und wie viel Geld man einplant. Das kann viel kosten.“ Maximilian studiert Germanistik. In der Germanistik muss eine Masterarbeit perfekt sein. Deshalb hat er Andreas engagiert. Er kannte ihn und seine Leistungen als Lektor allerdings bereits von früher, da er auch schon Hausarbeiten von ihm hat lektorieren lassen. Er ist sehr zufrieden mit den Ergebnissen gewesen. Maximilian nennt noch einen Grund, warum er das Geld gerne bezahlt hat: So eine Masterarbeit stellt den Abschluss mit einem Lebensabschnitt dar. Wenn er in späteren Jahren nochmal hineinschaut, dann will er sich nicht für peinliche Fehler schämen müssen.

Kann ich mir das leisten?

Wie Maximilian blickt Kevin auch auf die finanzielle Seite des Lektorats. Er denkt vor allem daran, dass eine Menge zusätzlicher Kosten auf ihn zukommen, wenn er alle Arbeiten professionell gegenlesen lässt. Andreas ist aber verhandlungsbereit. Er lebt, besser gesagt überlebt, vom Lektorieren, deshalb weiß er selber, wie es ist, knapp bei Kasse zu sein. Durch seine Arbeit hat er natürlich viel Kontakt zu Studierenden und kennt deren Sorgen. Deshalb kann man bei ihm meistens eine Lösung finden. Eine Studentin hat ihn mal in Zehn-Euro-Raten bezahlt. Kevin kann sich trotzdem nur bei den wichtigeren wissenschaftlichen Arbeiten vorstellen, so eine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man sollte auch nicht denken, dass das Engagieren eines professionellen Lektors verboten wäre. Die Arbeit mit ihren Ideen und Zielen schreibt der Studierende völlig selbst. Ein Lektor kann nur dabei helfen, diese Dinge in die richtige Form zu bringen. Andreas ist es sogar schon einmal passiert, dass ihm ein Plagiat aufgefallen ist und er den Kunden darauf hinweisen konnte.

Man kann also sagen, dass sich die Zusammenarbeit mit einem professionellen Lektor durchaus lohnt, wenn man sicher sein möchte, eine sprachlich und stilistisch anspruchsvolle wissenschaftliche Arbeit abzugeben.

von Vincent Roth