Rezension

Schere, Stein, Papier – mit diesem Album gewinnt jeder, der tiefste gute Laune sucht. Katzenjammer sind, zehn Jahre nach ihrer Gründung, längst nicht mehr unbekannt. Sie füllen Konzerthallen in London und Paris. Ihre Musik ist trotzdem bodenständig gut und auch live gesungen definitiv hörbar. Dieses Album geht ein wenig schleppend los und endet in purer Freude mit „My Dear“. Allerdings klingen die Stimmen der vier Norwegerinnen ein wenig glatt gezogen im Vergleich zum Vorgänger-Album. Krächzen, Kreischen und Klamauk kommen dennoch nicht zu kurz. Sie sind reifer geworden. Mittlerweile hat der Jazz eine stärkere Präsenz. In einem Moment fühlt man sich mit „Curvaceous Needs“ auf einer Farm gefangen und im anderen steht man mit den Vollblut-Frauen auf der Bühne eines Rock-Stadions. Der Stil-Mix ist perfekt und sorgt für das gewisse Maß an Abwechslung. Für Mainstream-Fetischisten ist „Rockland“ aber nicht gemacht und das ist auch gut so. Dieses Sahnehauben-Album nur nebenbei durchs Radio plänkeln zu lassen, wäre eine Schande. Das muss so laut gedreht werden, dass man es beim Staubsaugen noch hört.

Der Kampf mit dem Booklet lohnt sich in diesem Fall nicht. Denn bis auf ein paar Autorenangaben, finden sich dort nicht einmal die Texte. Schade, denn so muss man über die Inhalte ab und an rätseln oder eben sehr gut zuhören. Auch nicht schlimm, bei dem herrlich britischen Akzent so mancher Stimme. Das Klischee der Mädchen-Band wird hier in jedem Fall über Bord geworfen. Auch wenn die Liebe nicht fehlen darf. Es handelt sich aber eher um die nach Whisky klingende, unter die Haut gehende Hafenliebe als die Rosa-Zuckerwatte-Frühlingsliebe. Eine „Bad Girl“-Band eben.

Klar, der Albumtitel ist nicht sonderlich kreativ. Daran vorbeilaufen sollte man aber trotzdem nicht. Vielleicht greift man sogar zu der Deluxe-Edition mit drei Bonus-Tracks. „Lady Grey“ hüpft jedenfalls nun schon zum 89. Mal durch meine Lautsprecher und ich durch die Wohnung – mal sehen, wann mich der Vermieter rausschmeißt. Egal, einmal geht noch!

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: ©Vertigo Berlin