Gleich zwei Bestandteile des Semesterbeitrags werden künftig steigen: Sowohl das Studentenwerk Greifswald als auch die Studierendenschaft brauchen mehr von unserem Geld. Das liegt unter anderem an Kostensteigerungen.

„Zu der Erhöhung gab es keine Alternative.“ Der Universitätskanzler Doktor Wolfgang Flieger, gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Studentenwerks, ist sichist sich sicher: „Wäre sie nicht beschlossen worden, hätte die Geschäftsführung des Studentenwerks keinen genehmigungsfähigen, also ausgeglichenen Haushalt aufstellen können.“ Auch in der Studierendenschaft sah die Zukunft nicht rosiger aus. „Wir krebseln, was den Haushalt der Studierendenschaft angeht, minimal über der Mindestrücklage, was kein Zustand ist“, macht die Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), Anna-Lou Beckmann, deutlich.

72 Euro, das werden Studenten der Universität Greifswald künftig als Semesterbeitrag bezahlen. Dieser setzt sich zusammen aus einem Anteil für das Studentenwerk, einem für die Studierendenschaft sowie der Rückmeldegebühr der Universität. Erhöht werden die ersten beiden Bestandteile. Während das Studentenwerk schon am 09. April 2015 beschloss, dass mehr Geld notwendig sei, entschied sich die Studierendenschaft am 2. Juni 2015 auf der Vollversammlung dazu. „Wir haben den Beitrag seit 2005 nicht mehr erhöht, es wurde einfach notwendig“, so Anna-Lou. Von dem Geld geht ein Teil an die Fachschaftsräte, ein weiterer Teil fließt in die Aufwandsentschädigungen der Referenten, der moritz.medien und des Präsidiums. Seit vier Jahren muss die Studierendenschaft Lohnsteuern abführen, 15 156,02 Euro waren das im Jahr 2014. Zudem sei der Preis für die T-Shirts, die in der Erstsemesterwoche an die neuen Studenten ausgegeben werden, um das Doppelte gestiegen. „Bisher haben wir 6 000 Euro bezahlt. In diesme Jahr wären es 12 000 Euro gewesen“, erklärte sie den Studenten auf der Vollversammlung.

Ein Beschluss der Vollversammlung vom Wintersemester 2014/15 liegt auch dem höheren Beitrag für das Studentenwerk zugrunde. „Die Studierenden der Universität Greifswald hatten beschlossen, die Zuschüsse des Studentenwerks für studentische Kulturinitiativen, wie GrIStuF (Greifswald International Students Festival e.V., Amn. d. Red.), oder den Club 9, zu erhöhen und dies aus höheren Studentenwerksbeiträgen zu finanzieren“, so Flieger. Dabei handelte es sich aber um 2,50 Euro. Dass der Beitrag nun um acht Euro steigt, liegt an den sinkenden Studentenzahlen in den insgesamt drei Standorten Greifswald, Neubrandenburg und Stralsund. Deshalb sei das Beitragsaufkommen bei konstanten Beiträgen ebenfalls rückläufig gewesen, bemerkt er. Ein weiterer Grund für die Beitragserhöhung sind die Defizite, die alle Mensen und Cafeterien erwirtschaften und die ausgeglichen werden müssen. Auch gab es Tarifsteigerungen, die laut dem Verwaltungsratsvorsitzenden des Studentenwerks, Erik von Malottki, vom Land nicht kompensiert wurden. Denn das Studentenwerk als rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts untersteht dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. „Das ist aus meiner Sicht ein riesen Problem“, verdeutlicht Erik. Natürlich habe man sich an das Land gewandt und einen erhöhten Zuschuss angemeldet, gerade auch im Hinblick auf die freigewordenen BAföG-Mittel. Das wird im Haushaltsplan des Landes aber nicht berücksichtigt, so Vorstandsvorsitzender Flieger.

Während er die Erhöhung auf diesem Wege als alternativlos ansieht, erklärt Erik, dass ein höherer Preis beim Essen möglich gewesen wäre, macht aber auch klar: „Wir haben uns dazu entschieden, dass eine Erhöhung der Essenspreise weitaus schädlicher gewesen wäre.“ Eventuell hätten sogar Essens- und Sozialangebote oder auch die Cafeteria am Berthold-Beitz-Platz geschlossen werden müssen.
Ähnlich sieht es in der Studierendenschaft aus. Auch hier wären Einschränkungen in Höhe von 6 000 Euro von Nöten gewesen. Diese hätten dann zum Beispiel in der Erstsemesterwoche gefehlt. Mit dem Geld müssen die höher angesetzten Aufwandsentschädigungen vom AStA und den moritz.medien bezahlt werden. Die Steigerung beschloss das Studierendenparlament am 05. Mai 2015. Nicht nur einige StuPa-Mitglieder, sondern auch Student Hieronymus, der die Vollversammlung besuchte, erklärt den Grund: „Das ist ein Haufen Arbeit, den die AStA-Referenten da leisten. Durch eine höhere Aufwandsentschädigung wird der Job vielleicht auch attraktiver.”

Für den Beitrag des Studentenwerks steht fest, dass er zum Wintersemester 2015/16 erhöht wird. Beim Studierendenschaftsanteil bedarf es hingegen noch ein wenig Zeit, denn nach der Satzungsänderung durch das StuPa ist nun noch die Prüfung durch die Rechtsaufsicht nötig. Entweder zahlen Greifswalder Studenten also ab kommendem Wintersemester gleich elf Euro mehr oder es kommt zu einem gestaffelten Anstieg.

von Katrin Haubold  & Vincent Roth

Foto: Tine Burkert

 

Das sagen Studenten auf der Vollversammlung zur Beitragserhöhung:

Jana (Deutsch und Englisch auf Lehramt Gymnasium):

„Ja. Wenn man damit Stellen retten kann, dann ja.“

Theresa (Deutsch und Englisch auf Lehramt):

„Ja, ich finde, wenn es darum geht die Verbesserung der Lehre ein bisschen zu unterstützen, dann sehe ich es ein, mehr zu bezahlen.“

Magdalena (Musik und Kunstgeschichte):

„Ich finde es kommt immer darauf an, ob das positiv genutzt wird oder nicht. Also ob da vielleicht auch etwas einfließt, damit man sich im Umkreis von Greifswald beispielsweise auch mit einem Regionalzug bewegen kann.“

Maj (Musik und Kunstgeschichte):

„Ich stehe dem neutral gegenüber, weil es immer darauf ankommt, wie es genutzt wird. Wenn das für Ausstattung genutzt wird, oder den Erhalt von mehreren Studienfächern, dann finde ich das in Ordnung.“

Caroline (Deutsch und Englisch auf Lehramt):

„Ich finde es super, weil es dringend benötigt wird und drei Euro sind für mich noch tragbar.“

Franziska (Humanmedizin):

„Ich finde, dass es längst an der Zeit ist, mal wieder den Semesterbeitrag zu erhöhen. Ich finde zehn Euro sind für uns jetzt kein so großer Beitrag im Vergleich zu dem, was andere Studierende bezahlen und wenn es dabei hilft, die Studienbedingungen bei uns zu verbessern, dann ist das auf jeden Fall die richtige Entscheidung.“

Melanie (Kommunikationswissenschaften und Fennistik):

„Find ich prinzipiell gut, ich weiß aber, dass es Leute treffen wird, die Probleme damit haben werden, jetzt schon Probleme damit haben: Ich weiß auch, dass es Universitäten gibt, wo es wesentlich weniger ist. Ich hab trotzdem dafür gestimmt!“

Katharina (Recht, Wirtschaft, Personal):

„Ich finde das gar nicht so schlimm. Wir zahlen eh nur 72 Euro und im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern ist das immer noch nicht viel. Wenn das Geld dann noch in die richtigen Ecken fließt, dann finde ich das vollkommen in Ordnung.“