Äfzädäs? Hört sich an wie ein Brotaufstrich, oder eine Automarke. Ist aber beides falsch. Der fzs ist der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften und ein Organ, das bundesweit die Interessen von Studierenden vertritt. Er soll eine Plattform bieten, auf der Studierendenschaften wie beispielsweise unser Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) eine Möglichkeit haben, sich mit anderen Studierendenvertretungen aus dem gesamten Land zu vernetzen und bundesweite Aktionen durchzuführen. Momentan sind 83 von 425 Hochschulen Mitglied der Organisation.

In seiner Gründungserklärung sieht sich der fzs als Organisation, die Studierende dazu befähigt, die Bedingungen von Studium und Lehre mit zu beeinflussen. Dazu werden neben großen Vernetzungstreffen, auf denen sich die Mitglieder über die neuesten Entwicklungen austauschen und Lösungsstrategien besprochen werden können, auch Fortbildungen angeboten, wie beispielsweise ein Seminar über Diskriminierung an Hochschulen. Konservative Hochschulgruppen wie der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) kritisieren seit Längerem die ihrer Meinung nach einseitige, linkspolitische Ausrichtung des fzs und fordern die Auflösung. Auch in Greifswald wurde vom RCDS der Austritt beantragt und im Studierendenparlament (StuPa) diskutiert. Die Konservativen störte, dass der Greifswalder Mitgliedsbeitrag von 500 Euro pro Semester im Vergleich zum Nutzen unverhältnismäßig hoch sei. Daraufhin wurde beschlossen, den Beitrag auf 50 Euro zu reduzieren. Der Preis bestimmt eben die Nachfrage.

von Vincent Roth

Austritt? Ja bitte.

Grundsätzlich ist es doch eine hervorragende Idee, dass sich Studierende zusammenschließen, um gemeinsam ihre Interessen zu vertreten. Doch die beste Idee nützt rein gar nichts, wenn es an der Umsetzung hapert, Hunderttausende Euro an Mitgliedsbeiträgen eingesetzt werden und es dann an vorzeigbaren Ergebnissen mangelt. Leider konnte bis zum heutigen Zeitpunkt nicht ein einziger nachweisbarer Vorteil für unsere Studierendenschaft vorgebracht werden, welcher sich aus der Mitgliedschaft beim Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) ergeben soll. Ganz im Gegenteil: Der Skandal um den Rücktritt der ehemaligen Frauenbeauftragten des fzs, Franziska Hildebrandt, im vergangenen Jahr nährt den Verdacht, dass persönliche Auseinandersetzungen, Intrigen und Vetternwirtschaft zu einer massiven Verschwendung von Mitgliedsbeiträgen geführt haben. Ihre unfreiwillig veröffentlichte Rücktrittsmail zeigt, dass sich der fzs in einem desolaten Zustand befindet. Der fzs möchte lobenswerterweise gegen die Diskriminierung von Frauen vorgehen, ist aber offensichtlich nicht einmal in der Lage, eine Diskriminierung von Frauen innerhalb der eigenen Reihen zu unterbinden. Das Resultat ist daher kaum überraschend: In den vergangenen Jahren haben die Universitäten Marburg, Gießen, Chemnitz, FU Berlin, HU Berlin und bereits in diesem Jahr die TU Berlin, Universität Mainz und Bremen den fzs verlassen.

Des Weiteren ist da der finanzielle Aspekt: Trotz der auf der Vollversammlung am 2. Juni beschlossenen Erhöhung des Semesterbeitrags um drei Euro, ist die finanzielle Situation unserer Studierendenschaft weiter kritisch. Eine sinkende Anzahl an Studierenden an der Universität Greifswald und beinahe aufgebrauchte Rücklagen gefährden auch weiterhin die Förderung studentischer Kultur in Greifswald. In der gegenwärtigen finanziellen Situation können und dürfen wir es uns also nicht leisten, Gelder für Mitgliedschaften in Vereinen zu verwenden, deren Nutzen für unsere Universität und Studierendenschaft nicht klar auszumachen sind. Die durch einen Austritt aus dem fzs eingesparten Gelder hingegen können direkt, nachvollziehbar und transparent zur Förderung der Studierendenschaft in Greifswald eingesetzt werden.

Kommentar von Dominik S. Bernhardt

Austritt? Nein danke.

Auf den ersten Sitzungen des Studierendenparlaments dieser Legislatur stand ein Antrag immer mal wieder auf der Tagesordnung: Der Austritt aus dem Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs). Die fzs-Gegner meinen, dass wir als Studierendenschaft zu viel Geld (500 Euro pro Semester) für zu wenig Output ausgeben. Wir seien als Fördermitglied nicht stimmberechtigt, die Organisation der Veranstaltungen verlaufe zu chaotisch und die Workshops brächten allgemein zu wenig.

Das sehe ich anders. Doch schauen wir zunächst, worum es sich beim fzs handelt: Der fzs ist der überparteiliche Dachverband der Studierendenvertretungen aus ganz Deutschland. Mit rund 90 Mitgliedern vertritt der fzs rund eine Million Studierende und beschäftigt sich mit sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Interessen von Studierenden gegenüber Hochschulen, Politik und Öffentlichkeit. Die Mitgliederversammlungen sind meistens sehr voll und die Debatten in studentischer Manier hitzig und bisweilen durcheinander.
Obwohl wir kein stimmberechtigtes Mitglied sind, konnten sich unsere studentischen Vertreter*innen in den letzten Jahren in den Diskussionen gut einbringen und unsere Positionen vermitteln. Ich persönlich war bei dem Treffen in Halle anwesend und habe einen Workshop zum Thema Bildungsstreik besucht, bei dem ich mich sehr gut vernetzen konnte und viele Ideen und Anregungen für unsere Demonstrationen mitnehmen konnte. Ergebnis waren die Demonstrationen, die jeder Studierende mitbekommen haben sollte.

Nun mag es sein, dass nicht alle Treffen und Workshops so zielführend sind. Das gehört meiner Meinung nach aber zu einer demokratischen Diskussion und findet sich so im politischen Alltag auf allen Ebenen wieder. Demokratie dauert lange und ist anstrengend, bringt aber im Endeffekt den größten Konsens. Die Planung von bundesweiten Aktionen und Kampagnen stellt zudem ein wesentliches Instrument dar, um für studentische Interessen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu gewinnen. Ohne den fzs wären größere Demonstrationen kaum umsetzbar.

Wir müssen das Rad nicht immer neu erfinden, viele Probleme haben auch andere Studierendenschaften schon gehabt und wir sollten durch die Vernetzung Synergie-Effekte zu nutzen wissen. Zudem fechtet der fzs Probleme der Studierendenschaften vor Gericht aus, von denen auch wir profitieren. Deswegen halte ich es für richtig, den fzs auch weiterhin finanziell zu fördern und uns mit in den Diskurs einzubringen.

Kommentar von Jonathan Dehn