Die Außenvertretung für mehr als 10 500 Studierende zu sein – das ist kein leichter Job. Anna-Lou Beckmann, 20 Jahre alt und Studentin der Kommunikationswissenschaft und Wirtschaft im 4. Semester, wagt es als AStA-Vorsitzende trotzdem.

Was macht der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), was kein anderer kann?
Wir werden gerne belächelt und viele denken, wir seien komische Leute, die nichts Besseres zu tun haben, als im AStA-Büro zu sitzen und uns die Probleme fremder Menschen anzuhören. Aber wir und generell die verfasste Studierendenschaft haben eine ganz, ganz wichtige Rolle. Weil es einfach total viele Probleme an der Universität gibt, nicht nur in Greifswald, sondern eigentlich an jeder Uni, für die der einzelne Student sich teilweise viel zu klein vorkommt. Es ist also wichtig, dass es engagierte Leute gibt, die sich für diese Probleme einsetzen und die sich nicht zu fein sind auch zehn Mal eine E-Mail zu schreiben, auch fünfzehn Mal irgendwo an einer Tür zu klopfen und zu sagen „Hey, das läuft aber nicht rund“.

Mit welcher Motivation hast du dich in den AStA-Vorsitz wählen lassen?
Im letzten Jahr ist der AStA wirklich ein Herzensprojekt von mir geworden. Ich habe viele Sachen angestoßen, zum Beispiel die verstärkte Zusammenarbeit mit den Studentenclubs, die ich auf jeden Fall noch weiterführen will. In der Zeit als kommissarische AStA-Vorsitzende habe ich außerdem gemerkt, dass mir die Arbeit und die neuen Aspekte, die ich kennenlernen durfte, total Spaß machen.

„Das ist etwas, wo ich den perfekten Mittelweg noch suche.“

Was ändert sich in deinem Leben durch die Wahl?
Es ist mittlerweile so, dass ich darauf aufpasse, was ich anfasse oder was eben nicht. Ich bin privat Mitglied der Liberalen Hochschulgruppe und nun, als AStA-Vorsitzende, ist es meine Aufgabe, den Spagat zwischen beiden Positionen zu schaffen, sodass man mir keine Parteilichkeit vorwirft. Das ist etwas, wo ich den perfekten Mittelweg noch suche.

Welche Herausforderungen erwarten dich im Laufe der Legislatur?
Derzeit stehen große Themenblöcke auf der Agenda, wie das neue Konzept für die Bibliotheken, die geplanten Stellenkürzungen an der Philosophischen Fakultät und die sinnvolle Verteilung der Wohnsitzprämienmittel. Die vorgesehenen Streichungen an der Philosophischen Fakultät und das Bibliothekskonzept haben einfach gezeigt, dass unsere Universität zwar die BAföG-Millionen bekommt, aber diese überhaupt nicht dort ankommen, wo sie unserer Meinung nach gebraucht werden. Die Universität hantiert mit Schließungen von Studiengängen und ganzen Instituten. Das wäre der Tod für die Lebendigkeit Greifswalds und die der Universität. Das müssen wir auf jeden Fall verhindern. Wie ist jetzt noch die große Frage.

Dich erwarten viele neue Aufgaben. Wie gehst du damit um?
Vorher war ich ja Referentin für Veranstaltungen. Das ist das Referat, das meiner Meinung nach am wenigsten mit Studienbedingungen zu tun hat. Als ich dann das erste Mal im Vorsitz die Tagesordnung von der Dienstberatung der Rektorin gelesen habe, musste ich mich erstmal eine Stunde in die Thematiken einarbeiten und mich darauf vorbereiten. Mich erwarten jetzt einfach viele Themenpunkte, mit denen ich vorher gar nicht in Berührung gekommen bin. Aber die Studentischen Senatoren und die Fakultätsratsmitglieder haben mich alle gut eingearbeitet und mir meine Fragen immer gerne beantwortet, wenn ich Input brauchte.

Bei euren Wahlen wurde immer wieder die gute Teamarbeit im AStA betont. Das sah vor einem halben Jahr noch ganz anders aus. Was hat sich geändert?
Die ersten sechs Monate der letzten Legislatur waren teilweise echt ein Drunter und Drüber – kein Gremienwahlheft, hier gab es Abspracheprobleme und da hat es geknallt. Im September haben wir dafür vom Studierendenparlament (StuPa) ja auch einen Schuss vor den Bug bekommen. Nachdem der Schock mit dem Gremienwahlheft verkraftet war, hat es auch einen Ruck im AStA gegeben. Zum Beispiel haben neue Referenten, die damals kamen, dem Team super gut getan. Außerdem gab es in der vergangenen Legislatur zehn Rücktritte. Gegen Dezember, Januar hatten wir dann endlich einen festen Kern, sodass wir uns langsam aufeinander verlassen konnten. Die Arbeit hat dann erst richtig funktioniert. Das hat man auch gut an der Ersti-Woche im Sommersemester gemerkt. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Wochen so tiefenentspannt überstehe, aber da konnte man sich super auf jeden verlassen. Das war echt gut.

Was muss sich deiner Meinung nach in der Zusammenarbeit mit dem StuPa ändern, was funktioniert schon gut?
Der Austausch mit dem Präsidium klappt echt super. Alexander und ich telefonieren fast täglich. Davor hatte ich zu Beginn aufgrund der amtlich bedingten Interessenskonflikte ein bisschen Sorge. Richtig schön finde ich auch, dass einige Stupisten angefangen haben, ihre Anträge, bevor sie diese im Stupa stellen, zu uns zu schicken und die Meinung der jeweiligen Referenten dazu einzuholen. Man hat das Gefühl, dass so die Anträge beziehungsweise letztendlich die Beschlüsse viel effektiver umgesetzt werden können. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung bezogen auf die oft geforderte bessere Zusammenarbeit zwischen StuPa und AStA. Das kann man natürlich trotzdem noch ausbauen.

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: Lisa Klauke-Kerstan