Rund 150 Beschlüsse fasst das Studierendenparlament in einer Legislatur. Aber was passiert danach? moritz. ist der Sache auf den Grund gegangen. Diesmal: Das Gruppenfoto.

Nicht alle Beschlüsse, die das Studierendenparlament (StuPa) fasst, sind auf den ersten Blick hochschulpolitischer Natur. Trotzdem werden die übrigen nicht alle beanstandet. Mit einem dieser beanstandungsfreien Beschlüsse wollte das StuPa am 21. April erreichen, dass in der Sitzung am 28. April ein Gruppenfoto gemacht wird. Philipp Schulz hatte dafür auch schon eine passende Vorlage parat: Ein Foto von einer Gruppe Parlamentarier aus der Türkei, die einer lebhaften Debatte beiwohnten. Doch anstelle von Sachargumenten tauschten diese Handgreiflichkeiten aus. Daran sollte sich das Gruppenfoto des StuPa orientieren. Zum Zeitpunkt der Antragsstellung hatten die Stupisten schon eine fünfstündige Sitzung absolviert, in der die Mitglieder darüber diskutierten, ob das StuPa zu Beginn jeder Legislatur tatsächlich ein ganzes Wochenende benötigt, um sich auf seine zukünftige Arbeit vorzubereiten. Außerdem mussten einige Posten besetzt werden. Am Ende blieb schließlich wieder nicht genug Zeit, um über die Mitgliedschaft im Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) zu beraten (moritz. berichtete im Heft 118). Die Stimmung war dementsprechend nicht so herzlich, wie man es vom StuPa gewohnt ist. Das Foto sollte deshalb, so der Wunsch des Antragstellers, auch als teambildende Maßnahme herhalten.

Doch es kam nicht wie geplant: Das Foto wurde in der darauffolgenden Sitzung direkt nach den Finanzanträgen in der ersten Pause aufgenommen. Die Diskussion um den Dauerbrenner „fzs-Austritt“ sowie die Debatte um die neue Struktur des Allgemeinen Studierendenausschusses stand dem StuPa da noch bevor. Die Stimmung war damit noch nicht soweit gesunken, dass das Gruppenfoto der Vorlage gerecht werden konnte. Stattdessen wirkt das enstandene Bild, als wollten sich die StuPa-Mitglieder für „Schwiegertochter gesucht“ und nicht für die höhere Politik bewerben. Auf Sach- oder gar handfeste Argumente muss der geneigte Betrachter völlig verzichten. Auch der teambildende Aspekt des Gruppenfotos drang nicht zu allen Parlamentsmitgliedern durch: Von den 21 Anwesenden wollten sich nur 15 als Mitglied der Greifswalder Hochschulpolitik zu erkennen geben. Eine zusammenschweißende Maßnahme für das StuPa steht also weiterhin aus und auf eine Version des Bildes, von dem es bereits viele Varianten im Internet gibt, aus dem Greifsalder Hochschulparlament muss die Netzgemeinde auch verzichten. Das Gruppenfoto lässt sich mittlerweile auf der neu überarbeiteten Homepage des StuPa bewundern.

“Eine Photographie zeigt nie die Wahrheit.” Richard Avedon, 1923.

von Magnus Schult

Foto: Lisa Klauke-Kerstan