Für die Ferien brauchte ich mal wieder ein Projekt. Irgendetwas Abgefahrenes. Wolle spinnen schien genau das Richtige zu sein. Aber von den vielen Arbeitsschritten, die zwischen Schaf und Pullover liegen, hatte ich keine Ahnung. Früher in der Schule machte noch Wikipedia meine Hausaufgaben – heute erklärt mir YouTube die Welt. In diesem konkreten Fall, wie man Rohwolle wäscht, kardiert, spinnt und bei Belieben auch einfärbt – das geht zum Beispiel mit Ostereierfarbe: YouTube macht Wissen macht Ah!

Schnell habe ich einen Lieblingskanal zu dem Thema. Eine junge Frau erklärt das mit der Wolle einfach am besten – finde ich und außer mir auch noch über 2 600 Abonnenten. Verglichen mit den self-broadcasted Stars der Szene, denen auf ihren Kanälen mehrere Millionen Fans folgen, und die mit selbst gedrehten Videos reich werden, sind 2 600 Follower natürlich nichts. Doch gerade die Vielfalt ist es, die YouTube so attraktiv und zur zweitgrößten Suchmaschine weltweit macht. Zwischen Gaming, DIY, Beauty und Comedy findet jeder seine Nische. Nichts ist zu banal, um nicht gefilmt zu werden. Ob es nun darum geht, wie man Eier pellt ohne sie kaputtzumachen, oder kreischend das Gesicht zu verziehen, während man Eiswasser über den Kopf geschüttet bekommt. YouTube präsentiert alles und stellt es aller Welt bereit. Was natürlich auch kritisiert wird … Aber dieses Video ist in deinem Magazin nicht verfügbar. Stattdessen stricke ich demnächst meinen ersten Pullover. Die YouTube-Omi erklärt es mir. Stay tuned!

von Constanze Budde

Foto: Isabel Kockro