Kai-Uwe Makowski

Kai-Uwe Makowski zeichnet seit 1998 den Tapir-Cartoon, wie Ihr ihn auf der Nebenseite seht, für das moritz.magazin. Mittlerweile ist er 42 Jahre alt und arbeitet nun, nach seinem Geologiestudium, als Grafiker und Illustrator für das Greifswalder Unternehmen rapidrabbit. Der Tapir präsentiert sich in der Regel als fremdenfeindliches, selbstsüchtiges und sexistisches Ekel. Er verkörpert das Böse. Deswegen gab es im Juli böse Kommentare.

Wann genau hast du das erste Mal über den Tapir nachgedacht und wie entstand der erste Cartoon?
Der Tapir tauchte irgendwann in den Neunzigern einfach in einem Cartoon auf. Und dann ist er nie wieder gegangen.

Schreibst und zeichnest du gleichzeitig oder gibt es da eine spezielle Reihenfolge?
Erst schreibe ich (gibt ganze Notizbücher mit meinem Gekrakel, wüste Tiraden, lange Monologe), dann zeichne ich.

Mit welchen drei Worten würdest du den Charakter des Tapirs beschreiben? Und warum hast du genau diese Eigenschaften ausgewählt? Warum ist der Tapir so, wie er ist?
Korrumpierbarkeit, Egoismus und Rücksichtslosigkeit wären drei Worte, mit denen man den Tapir genauso wie viele Politiker und Wirtschaftsvertreter charakterisieren kann. Dabei vertritt er eine eher rustikale Franz-Josef-Strauß-Attitüde und versucht gar nicht erst seine Verachtung für den kleinen Mann zu verbergen. Der Tapir ist ein Produkt der Gesellschaft, ein Kind des Kapitalismus und ein Schwippschwager des politischen Systems. Diese Eigenschaften habe ich nicht ausgewählt, der Tapir hat sich im Laufe der Jahre einfach so entwickelt. Ich dokumentiere nur den Prozess.

Gibt es Dinge, die der Tapir deiner Meinung nicht darf? Wo setzt du dir deine Grenzen?
Die Grenzen der Satire werden in Deutschland durch Gesetze festgelegt. Leider tauchen immer wieder Berufsbetroffene und Humorverweigerer auf, die ihre eigenen Vorstellungen von „korrekter“ Satire zu einem allgemeingültigen Regelwerk erklären wollen und mir vorwerfen, ich würde diese Regeln verletzen. Das ringt mir ein müdes Lächeln ab und ich setze nochmal einen drauf mit einem besonders knackigen Tapir-Cartoon.

Woher nimmst du deine Ideen für den Cartoon? Muss man dafür besonders nah am Zeitgeschehen leben?
Die Missstände, die es anzuprangern gilt, sind Legion. Und solange es organisierte Religionen gibt, die ihren schädlichen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausüben, werden mir die Themen auch nicht so schnell ausgehen.

Gibt es Themen, die immer gehen?
CSU-Bashing und Witze über die FDP: Minoritäten sind immer großartige Zielscheiben.

Wie bewertest du den Internet-Wirbel um den Cartoon „Respekt“ aus dem letzten sommer.moritz.?
Ganz großes Kino! Hat viel Spaß gemacht. Allerdings wundere ich mich etwas, weil der Strip war doch eigentlich recht harmlos. Da hat der Tapir schon ganz andere Sprüche gemacht. Ansonsten ist es mit dem Internet wie mit der Sonne: Die scheint auch auf jeden Vollpfosten. Bedauerlich ist es, wenn sich  Entscheidungsträger vom erregten Internetmob (Twitter!) einschüchtern lassen.

Wie gehst du mit der Balance zwischen Subtilität und Offensichtlichkeit für den Tapir um?
Balance? Subtilität? Beim Tapir? Echt jetzt?

Herr Makowski, vielen Dank für das
Gespräch.

Das Gespräch führte Lisa Klauke-Kerstan.

Foto: Privat