Das Studium stellt für viele junge Leute eine finanzielle Herausforderung dar. Wer nicht kurz vor Semesterbeginn im Lotto gewonnen hat, muss in den kommenden Monaten oft genau rechnen. Zwei Greifswalder Studentinnen verraten moritz., wie sie über die Runden kommen.

No penny left

An jedem Ersten des Monats ist für kurze Zeit eine für mich große schwarze Summe auf meinem Konto. 800 Euro, um genau zu sein. Dieses Geld bekomme ich leider nicht durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), bei dem ich durch die harten Kriterien gleich am Anfang keine Hoffnungen hatte, je Geld beziehen zu können.
Stattdessen bekomme ich das Geld von meinen Eltern. Sie unterstützen mich, wo sie nur können. Was mir zugegebenermaßen sehr unangenehm ist, da die beiden sozusagen meinen Traum vom Medizinstudium finanzieren müssen.

Naja gut, es ist nun also der Erste im Monat und schon gleich geht die Miete vom Konto ab. Mit genaueren Worten, 360 Euro für mein 20 Quadratmeter großes Zimmer in der Innenstadt. Das ist zum Glück schon die Warmmiete.

Bleiben noch 440 Euro übrig und ich denke: „Oh weh! Wie soll das nur reichen?!“ In der Regel stelle ich nämlich kurze Zeit später mit Erschrecken fest, dass noch andere Ausgaben immer zu Beginn des Monats anstehen. So wollen der Rundfunkbeitrag die Versicherung, mein Telefonanbieter – sowohl der Zuhause, als auch der für mein Mobiltelefon – Geld sehen. Schwups sind wieder 70 Euro weg. Gott sei Dank kann ich mir Rundfunkgebühren und Telefon für die Wohnung mit meinen Mitbewohnern teilen.
So, noch 370 Euro und, oh nein, mein Kühlschrank ist leer!  Beim Einkaufen versuche ich trotz begrenztem Budget darauf zu achten, was ich mir kaufe. So gehe ich beispielsweise auf den Markt, um Obst und Gemüse zu kaufen, da ich mir dort die Mengen zum Glück aussuchen kann. Anders als im Supermarkt, wo man in der Regel nur zwei Kilo Kartoffeln bekommt, von denen ich zwei Wochen jeden Tag essen müsste, damit sie nicht verderben.

Beim Einkaufen gehen im Monat so um die 150 bis 200 Euro drauf. Je nachdem, wie viel ich mir mal wieder gegönnt habe. Meine  Einkäufe bringe ich zu Fuß oder mit dem Rad in meine Wohnung, da ich kein Auto besitze, was natürlich den Vorteil birgt, dass ich keine Benzin- oder Versicherungskosten dafür zahlen muss.
Nachteilig ist das fehlende Auto jedoch, wenn ich in meine Heimatstadt  fahren möchte. Ich komme eigentlich aus Bremen und die Zugverbindung von Greifswald dorthin ist schrecklich. Es fährt nur ein einziger durchgängiger Zug, und dieser nur unter der Woche um 7 Uhr. Na toll, da hab ich aber noch Uni! Also muss ich mir ein Auto mieten. Dafür gehen auch immer so um die 50 Euro pro Fahrt drauf. Aber zum Glück gibt es ja Internetplattformen, bei denen man seine Fahrt anbieten kann. Auf diese Weise lernt man gleich auch neue Leute kennen und spart Geld.
Letztlich bleiben mir vielleicht noch 70 Euro im Monat übrig, aber ich habe noch keine Bücher für die Uni gekauft und mit Freunden weggegangen bin ich davon auch nicht.
Natürlich kaufe ich mir nicht jeden Monat Bücher, dafür steht immer am Anfang des Semesters ein Großeinkauf in der Buchhandlung an. Wenn man das auf die Monate umrechnet, die ein Semester hat, handelt es sich um knapp 40 Euro monatlich. Studieren ist einfach teuer!

Naja, und dann will man sich ja auch so mal was gönnen. Also auch mal mit Freunden weggehen, was trinken oder ins Kino gehen. Dabei rechne ich immer so mit 20 bis 30 Euro im Monat, abhängig davon, wie oft man es schafft und was man dann macht.
So bleibt am Monatsende nicht immer etwas über. Wenn doch mal Geld da ist, versuche ich es zu sparen, um mir in den Semesterferien vielleicht mal einen Urlaub zu leisten. Natürlich wäre es besser, wenn ich einen Nebenjob annehmen könnte, doch leider kann ich das nicht mit meinem lernintensiven und zeitaufwändigen Studium vereinbaren.

Und wenn nun doch irgendwelche teuren Ausgaben auf mich zukommen, heißt es in der Regel: „Mist, Sparbuch anzapfen!“  In solchen Situationen sage ich mir dann: „Zum Glück habe ich vor dem Studium viel gespart“. Das ist der Grund, weshalb ich, wie jeder Student, immer besonders froh bin, wenn die Verwandten zu Besuch kommen und dafür sorgen, dass der Kühlschrank wieder voll ist oder ich mal zum Essen eingeladen werde.

Vor meinem Studium habe ich nie alleine gewohnt, und ich hätte nie geahnt, wie schwierig es ist, alle Kosten im Blick zu behalten. Man muss sich daran gewöhnen, mit weniger auszukommen, und auch mal damit rechnen, dass am Ende des Monats nur noch Nudeln mit Ketchup auf den Tisch kommen. Daher ist es gut, immer ein bisschen Geld auf dem Sparbuch zu haben, nur für Notfälle, damit eben nicht das böse Erwachen kommt, wenn mal etwas kaputt geht, mit dem man nicht gerechnet hat.

Aus Erfahrung weiß ich außerdem, dass nie etwas Gutes dabei herauskommt, wenn ich hungrig einkaufen gehe! Man kauft Dinge, die man nicht braucht, und man wird mehr Geld los als man will.
Aber auch, wenn es hin und wieder knapp wird, muss ich eigentlich auf nichts verzichten und kann durchaus gut von dem leben, was mir im Monat zur Verfügung steht.

A little money

Es ist Sommer! Die Zeit, in der man baden oder Eis essen geht, und die Zeit, in der ich am Ende jedes Monats mit bangen Blicken auf das Konto schaue und mich wundere, wo das ganze Geld hin ist.
Wieso ist das so? Sicher bin ich mir nicht, vermute aber stark einen Zusammenhang mit der Menge an Zeit, welche seit meinem Geburtstag Mitte Oktober und Weihnachten verstrichen ist. Die Speckreserven aus den Geldgeschenken sind aufgebraucht. Jetzt zeigt sich, wie gut ich tatsächlich mit Geld haushalten kann. BAföG bekomme ich nicht, sondern einen Festbetrag von meinen Eltern. Von dem bleiben, nachdem 216 Euro Miete, 50 Euro für Strom, Internet und Telefon und der Krankenkassenbeitrag von 80 Euro abgezogen wurden, noch ungefähr 350 Euro übrig. Das sollte ja locker reichen … denkt man sich. Zieht man davon grob geschätzt – denn leider bin ich nicht sehr gut darin einen genauen Überblick zu behalten – 150 Euro für Essen ab, so bleiben satte 200 Euro für alles, was sonst noch so anfällt.
Aber warum überhaupt so viel Geld für Essen? Wie gesagt bin ich nicht sicher, wie nah diese Zahl an der Realität liegt. Allerdings bin ich tatsächlich nicht sehr sparsam in dieser Kategorie. Ich esse nun mal gerne Nüsse, Obst und Gemüse, gebe Geld für teures vegetarisches Grillgut oder Kuchenzutaten aus und gehe gerne Eis essen. Außerdem ist Bio teuer. Dass ich es mir nicht leisten kann, ausschließlich im Bioladen einkaufen zu gehen, habe sogar ich begriffen. Aber ab und zu gönne ich es mir halt doch.

Nun aber zurück zum Rest. Was passiert bloß damit? Der Wochenendtrip zu den Eltern und der Semesterbeitrag können doch nicht der Grund dafür sein, dass das Konto schon wieder leer ist, oder? Ach ja, da war ja noch das Konzertticket. Oh, und natürlich der Friseurbesuch vor drei Wochen. Und fast hätte ich vergessen, dass mein Fahrrad in die Werkstatt musste. Im Kino und im Theater war ich auch, das muss auch für Studenten schließlich ab und zu drin sein! Und wenn die Freundin Geburtstag hat, braucht man halt ein Geschenk.

So langsam wird mir die Sache klarer. Aber was soll man machen, ist ja alles wichtig, oder? Ihr merkt es, ich habe leider noch kein großes Talent darin, mir mein Geld einzuteilen. Okay, okay, ein bisschen übertreibe ich auch. Wenn ich merke, dass es kritisch wird, kann ich mich soweit beschränken, dass ich keine Probleme bekomme. Alles in Allem möchte ich mich auch wirklich nicht über meine finanzielle Situation beschweren, denn ich weiß, dass viele mit weniger Geld auskommen müssen. In meinem Psychologie-Studium habe ich auch gelernt, dass die Annahme: „Nur noch ein bisschen mehr Geld im Monat, und ich würde wunderbar auskommen und wäre sehr zufrieden damit“, ein Trugschluss ist. Diesem sind viele erlegen, völlig unabhängig davon, ob sie im Monat nun 700, 7 000 oder 70 000 Euro bekommen. Spätestens ein Jahr nach der Gehaltserhöhung ist der Lebensstandard neu angepasst worden und noch ein wenig mehr wäre doch mal wieder ganz nett. Aber ich schweife ab.

Ferienjobs kommen nicht in Frage, da ich in der vorlesungsfreien Zeit unbezahlte Praktika für mein Studium absolvieren muss. Da bleibt weder Zeit zum Arbeiten noch zum Verreisen. Deshalb bin ich skurrilerweise sehr dankbar dafür, dass ich wenigstens im Semester Zeit für Hobbys und mein Sozialleben habe. Müsste ich arbeiten, würde beides darunter leiden, von meinem Studium ganz zu schweigen. Daher bin ich froh, dass es auch ohne Job geht.

Über kleine Nebeneinkünfte freue ich mich natürlich jedes Mal und rechne dann immer schon aus, was ich mir davon jetzt leisten kann. Meist sind das Dinge, die ich mir sowieso kaufen würde oder sogar schon gekauft habe. Das sieht dann zum Beispiel so aus: „Wie schön, von den 20 Euro, die meine Oma mir zu Ostern geschenkt hat, kann ich schon einen halben Unisportkurs bezahlen“ Oder „Toll, die fünf Euro Aufwandsentschädigung für den psychologischen Versuch, bei dem mir eine Stunde lang Stromschläge verpasst wurden, gleichen schon zur Hälfte den Kinobesuch von letzter Woche aus“
Die geringere Miete in Schönwalde II kommt mir finanziell sehr gelegen, denn ich kann mir schwer vorstellen, im Monat mit 90 Euro weniger auskommen zu müssen. Sonst müsste ich vielleicht auf den Unisportkurs verzichten oder ich würde ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich den Semesterbeitrag für das Studententheater nicht bezahlen könnte.

Ich stelle immer wieder fest, dass man als Student zwar die Zeit, aber nicht das Geld hat um tolle Dinge zu tun. Später ist es genau umgekehrt. Darum möchte ich jetzt etwas mit meiner Zeit anfangen und sie genießen. Man kann in Greifswald auch ohne Geld so viel Spaß haben. Zum Strand fahren, einen Spieleabend mit Freunden veranstalten oder die Leute am Schönwaldecenter beobachten. Das ist fast so gut wie Kino.

 

 

Foto: Isabel Kockro