Rezension

Ja, dieses Album hat eine Schallplatte verdient. Das weiß ich als Madsen-Fan schon im Voraus und die CD gibt es schließlich inklusive. Also, los geht‘s. Die maritim anmutenden 45 Minuten beginnen mit „Sirenen“. Nachdem das letzte Album stark zum Mainstream tendierte, gefallen mir die kritischen Zeilen gleich zu Beginn der neuen Stücke. Kaum eine Minute ist vergangen, da kommen sie schon, die wie gewohnt überzeugenden Instrumentalparts. Schon beim zweiten Mal Hören kann man fast jedes Lied mitsingen, und das tue ich jetzt auch. Nicht umsonst ist Madsen vor allem für ihre überragenden Konzerte bekannt. Die heimische Version lohnt sich dennoch, um in der Magie zu schwelgen. Was auf Madsen-Alben nie fehlt, ist die Liebe, mit der es jetzt weitergeht. „Ich bin nicht eifersüchtig, du bist nur zu schön“, geht mir nicht mehr aus dem Ohr und wird zur Lieblingszeile. Platte drehen.

„Kompass“, das namensgebende Lied dieses Albums, scheint wie eine Hymne an die Eltern dieser Welt und bietet das größte Tanzpotenzial der Platte, obwohl man zu allen Stücken gut in der Masse springen kann. Hier bekommt man ein Trance-Gefühl ganz ohne Rauschmittel. „Ich bin korrupt“ erinnert gerade in den Anfangsklängen ganz stark an ein früheres Stück. Wer den Titel rauskriegt, hat gewonnen. Mir ist es noch nicht gelungen. Mit „Ich trink nur eben aus“ folgt der perfekte Soundtrack für alle Großmäuler der Generation Superstar, die dann doch nur Buchhalter werden. Platte wechseln.
Auch weniger melodische Songs sind mit „Fluten“ und „Graue Welt“ wieder mit von der Partie – da ist für jeden Madsen-Geschmack etwas dabei. „Unerreichbar“ plänkelt dagegen nur durch die Boxen, da bleibt Zeit zum Kaffeekochen. Platte drehen.

Wer schon mal geküsst wurde, als wenn es kein Morgen gibt, der weiß genau wie „Nochmal“ unter die Haut geht. „Leuchtturm“ ist mit quietschenden Gitarrenriffen das krönende Finale, wobei die erste Hälfte der Stücke überzeugender ist als die zweite. Nach dem letzten Ton möchte man der Platte dennoch „Küss mich“ entgegenrufen.

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: ©Four Music