Gefangen in der Blase – so komme ich mir gerade vor. Denn während für viele von euch die Studienzeit in Greifswald beginnt, neigt sich meine dem Ende zu und ich nutze die letzten Semester noch einmal, um Auslandserfahrungen in Norwegen zu sammeln. Doch es ist nicht so sehr die bekannte Erasmusblase, von der ich rede.

Es ist eher eine „Ich muss in einer völlig fremden Welt leben“-Blase, wenn ich darauf schaue, was in Deutschland passiert: Flüchtlingsunterkünfte brennen, Nazis urinieren auf Kinder, Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, werden beschimpft und bedroht – und ich frage mich: Woher kommt dieser Hass? Was treibt Menschen dazu, soweit zu gehen?

Natürlich ist nicht alles rosa in Norwegen, auch hier hat man mit Vorurteilen zu kämpfen. Sogar Pegida hat es bis in das nordische Land geschafft – ein Exportprodukt, auf das man alles andere als stolz sein kann. Erst vor kurzem beschloss die norwegische Regierung die sogenannte „Syria avtale“, in der unter anderem festgesetzt wurde, dass in den nächsten drei Jahren 8 000 anstelle der geplanten 10 000 syrische Flüchtlinge aufgenommen werden. Und auch da zeigte sich die hässliche Fratze einiger Norweger auf Facebook, für die auch die 8 000 immer noch zu viel sind – aber es war bei weitem nicht so heftig wie in Deutschland. Das verstärkt das Gefühl, in der Blase gefangen zu sein, immens.

Einige Gemeinsamkeiten habe ich in der Zeit, in der ich hier bin, ausmachen können: Pegida und die rechten Tendenzen sind eher in ländlichen Gebieten zu finden. Die Angst vor einer angeblichen „Islamisierung“ ist hoch, und alle Muslime werden als Terroristen abgestempelt. Das gäbe auf jeden Fall einiges für eine wissenschaftliche Untersuchung her. Ist es gefühlt immer so, dass rechte Tendenzen im Osten und Norden eines Landes häufiger auftreten? Oder werden sie dort nur offener ausgelebt? Was nicht wirklich besser wäre.

Deswegen freut es mich umso mehr, dass ich sehr oft von positiven Beispielen lesen kann. Von Menschen, die ihre Zeit dafür nutzen, den Flüchtlingen Deutsch beizubringen, sich mit ihnen unterhalten, ihnen helfen, den Alltag in Deutschland zu meistern. Und vieles davon findet auch in Greifswald statt – mit tatkräftiger Unterstützung durch Studenten. Ob Weltfreunde e. V., der Arbeitskreis Kritischer Jurist_innen oder Medizin und Menschenrechte, um nur mal drei zu nennen. Und alle warten darauf, weiterhin unterstützt zu werden. Also: Nutzt eure Zeit und engagiert euch! Macht Greifswald bunt und lebenswert!

von Katrin Haubold

Foto: Privat

 

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