Rezension

Vier Jahre ist es bereits her, dass das letzte (richtige) Album von Cee Lo erschienen ist. Jetzt präsentiert uns das Südstaaten-Ausnahmetalent sein fünftes Studiowerk, erneut erschienen bei Atlantic Records. Größtenteils produziert hat das 53 Minuten lange und 15 Tracks starke Werk Mark Ronson, der schon für Adeles „19“ oder „New“ von Paul McCartney verantwortlich war. Heart Blanche ist schwer. In einer Reihe mit der heutigen 08/15-Billboard-Liste, die sich nach wie vor in einem Würgegriff aus Marvin-Gaye-Musik, big-booty Mäuschen und Autotune befindet, hat das Album das Zeug zu einem zeitlosen  Klassiker.

Verglichen mit der bisher fulminanten Diskografie des Südstaatensängers wird das Bild aber etwas getrübt. Dem Album fehlen nämlich zwei entscheidende Sachen – ein richtiger Hit und Struktur. Jedes Lied lädt für sich gezählt in eine eigene Welt ein. Wenn sich auf „Working Class Heroes“ die Bässe schwer an den Synthies und Claps vorbeirollen, kann ich mir keine Ausrede vorstellen, nicht zu tanzen. Genauso neckisch ist es, wenn auf „Sign of the Times“ die Flötentöne der 70er Jahre Sendung „Taxi“ liebevoll gesamplet sind. Trotzdem scheint irgendwie der rote Faden zu fehlen. Mal ist es ein starker Gospelchor in „Mother may I“ mit einer unverkennbaren Liebe für das Heart of Dixie, mal der Charme einer 80er Serie in „Tonight“. Es ist ein buntes Bäumchen-wechsel-dich aus Motown, Soul, Funk, Gospel und Blues.

Das soll natürlich nicht heißen, dass das Album schlecht wäre. Alleine die markante Soulstimme Cee Lo‘s würde auch das Geräusch einer Toilettenspülung zu einem Nummer 1 Hit aufwerten. Die Suche nach dem Dauerbrenner gestaltet sich hingegen schwer. Dieses eine Lied, das immer ganz oben auf der Favoritenliste bei iTunes steht, fehlt. „Est. 1980“, eine Hymne an die 80er, Duran Duran und den Safety Dance mit halligen Jingle-Jangle-Gitarren und großartigen Gesangsparts, ist definitiv ein heißer Kandidat. Zusammengefasst wird Cee Lo seiner Stellung als Künstler ohne den großen Charterfolg, jedoch mit starkem Standing in der Szene, mehr als gerecht. Ein Must-Have in jeder Plattensammlung.

von Philipp Schulz

Bild: © Atlantic Records