Heimat beginnt mit dem Geruch von Mama. Von da an wächst dieses Puzzle aus Gefühlen jeden Tag ein bisschen mehr, bis es unser ganzes Herz ausfüllt. Nach der Mama kommt der Teddy. Zum Festhalten, Weinen und Spielen – der muss immer dabei sein. Schokoladensuppe gegen Schnupfennase ist mein nächstes Puzzleteil. Je größer man wird, desto mehr Emotionen ranken sich um dieses Gefühl, das bei jedem anders aussieht. Meine Heimat ist grün wie die irische Küste. Teddy wurde irgendwann durch die Umarmung eines geliebten Menschen ersetzt und verschwindet doch nie ganz. Genauso wie Omas Butterkuchen. Aber Heimat ist für mich nicht nur die nach Sonnencreme duftende Kindheit, sondern auch der Norden mit seinen gelben Gummistiefeln, Castor-Transporten und dem so wunderbaren Platt. Meine Seele spricht platt, und deine?

Heimat ist also kein zu Hause, kein Ort, keine Region, sondern ein tief in uns verwurzeltes Gefühl, durch das wir erst in der Lage sind zu bleiben, zu lieben, zu lachen – glücklich zu sein. Heimat kann uns niemand nehmen. Und trotzdem sind gerade überall auf der Welt Menschen gezwungen ihr Gefühl von Heimat zurückzulassen, um nach einem neuen zu suchen. Dazu gehört viel Mut, aber auch viel Verzweiflung. Daher ist es umso wichtiger, dass in unserer kleinen Greifswelt eine bunte Willkommenskultur herrscht. Den Geruch von Mama können wir nicht ersetzen, aber wir können es allen Ankommenden ermöglichen, unsere Hansestadt in ihr neues Heimatgefühl einzubauen. Denn wie Dostojewski schon sagte: „Ohne Heimat sein, heißt leiden.“

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: enzo Petzold