Edgar Michalowski

Ein Leben voller Badminton: Edgar Michalowski (65) hat in seinem Leben eine eindrucksvolle Karriere hingelegt. 26 Einzeltitel und 19 Mannschaftstitel hat er in der DDR geholt und gehört damit zu den besten Badmintonspielern Deutschlands. Seine Frau Angela und seine Tochter Katja spielen ebenfalls sehr erfolgreich. Edgars eigene Karriere begann in Greifswald und dort ist er aus Liebe zur Stadt bis heute geblieben.

Wie sind Sie zum Badmintonspielen gekommen?
Mit zehn Jahren fingen mein Zwillingsbruder Erfried und ich an, Fußball und Badminton gleichzeitig zu spielen, doch als die Zeit kam, sich zu entscheiden, wählten wir Badminton. Die Fußballer rauchten immer, das war nicht so unser Ding. Als Kinder fingen wir also gemeinsam mit dem Badmintonspielen auf Greifswalder Straßen an und bestritten von da an unsere Laufbahn stets gemeinsam. In Greifswald ist damals nicht viel los gewesen, Fernseher gab es noch nicht. Auch später trafen wir uns nach der Arbeit immer abends in der Sporthalle. Heutzutage ist das anders: Entweder man ist Profi oder nicht. Wir hatten später auch Trainer, aber das Meiste haben wir uns selbst beigebracht.

Was waren Ihre größten Erfolge?
Mit „Einheit Greifswald“ waren wir 19 Jahre hintereinander Landesmeister in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Im Verein gab es sogar fast zu viele Talente für nur eine Mannschaft. Deshalb wurde er laut einer Statistik des Deutschen Badminton Verbandes (DBV) als erfolgreichster Verein Deutschlands ausgezeichnet; die Zeit vor der Wende mitgerechnet.
In meiner Laufzeit war ich 35 Mal DDR-Meister – pro Jahr konnte man drei Titel im Einzel-, Doppel-, und Vereinswettbewerb holen. Nach der Wende war ich noch 23 Mal deutscher Meister.
Mit meinem Bruder Erfried bin ich im Herrendoppel Welt- und Europameister geworden. Weltmeister im Herreneinzel wurde ich in Dresden. Bei allen Titeln muss man dazu sagen, dass sie immer jeweils nur innerhalb einer Altersklasse vergeben wurden. Preisgeld gab es nie, dafür Urkunden, Medaillen und Pokale.
Nach der Wende ist alles anders geworden. Viele Vereine lösten sich auf, weil die Menschen in den Westen abwanderten – „Einheit Greifswald“ bestand fort.

Sie bieten auch Kurse im Hochschulsport an. Wie sieht so eine typische Trainingsstunde aus?
Jede Kursstunde beginnt mit einer Erwärmung, um Verletzungen vorzubeugen. Muskelfaserriss sowie Knie- und Sehnenverletzungen sind im Badminton keine Seltenheit. Manche Kursteilnehmer kommen jedoch gezielt 20 Minuten zu spät, um sich diesen „langweiligen“ Teil zu sparen. Der zweite Programmpunkt ist die Technik, denn selbst den richtigen Aufschlag übt man gefühlte hundert Jahre. Ein bis zwei Schläge lernt man pro Kursstunde und natürlich die richtige Lauftechnik. Nur intensives Training kann einen guten Spieler hervorbringen, dafür ist die Kursdauer von anderthalb Stunden jedoch knapp bemessen. Das große Ziel ist es, die Kursteilnehmer vom Badminton zu begeistern, damit sie in den Verein finden.

Sie sind jetzt im Rentenalter, spielen Sie trotzdem noch weiter?
Die normale Karriere eines Profisportlers endet bereits mit 35 Jahren, ab dann hat man gegen die anderen keine Chance mehr. Die Spitze heutzutage bildet Asien zusammen mit den Koreanern, Chinesen und Malaien. Die trainieren so intensiv, dass ein Europäer da schwer mithalten kann.
In diesem Jahr bin ich mit meiner Frau Angela ein letztes Mal zur Weltmeisterschaft gefahren. Jetzt möchte ich allmählich den Leistungssport aufgeben, um mich ausschließlich auf die Nachwuchssportler zu konzentrieren.

Herr Michalowski, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Sophie Gros.

Foto: Sophie Gros