Rezension

Eyad ist der erste Palästinenser, der an einer jüdischen Eliteschule in Jerusalem angenommen wird. Zunächst irritieren ihn die hebräische Sprache und Bands wie „Deeb Burble“. Doch mit dem im Rollstuhl sitzenden Yonatan findet er einen Außenseiter wie sich. Mit seiner aufgeschlossenen Mitschülerin Naomi verbindet ihn bald eine glückliche Beziehung, die aufgrund des vorherrschenden Rassismus gegenüber Arabern jedoch geheim bleiben muss. Um in Jerusalem wirklich Fuß fassen zu können, muss Eyad schließlich große Opfer bringen.

Von dem Konflikt zwischen Palästinensern und Juden in Israel habe ich vor dem Film nicht viel Ahnung gehabt. Doch durch die nachdenkliche aber trotzdem lockere Erzählweise ist mir besonders die emotionale Ebene des Konflikts verständlicher geworden. Dazu hat auch das Spiel mit Klischees beigetragen: So will Eyads Vater zum Beispiel kein Geld für einen neuen Fernseher ausgeben – wobei Geiz doch als Vorurteil gegenüber Juden gilt.

Die Beziehung zwischen Eyad und Naomi ist meiner Meinung nach ein schönes Beispiel für gut funktionierende interkulturelle Interaktion. Beide sind dem anderen gegenüber neugierig und offen. Durch Naomi lernt Eyad, was eine Fußgängerzone ist, wann man in Jerusalem keinen Kakao bestellt, welche Bands dort gehört werden. Auch Eyads Freundschaft zu Yonatan und dessen Mutter zeigt das interessante Aufeinandertreffen der beiden Kulturen: Basare treffen auf jüdische Feiertage. Und Yonatans direkte Art bringt die Banalität der vorherrschenden Klischees meist treffend auf den Punkt.

Der Film erzählt eine komplexe Geschichte mit Zeitsprüngen. Sie beruht auf einem halbautobiographischen Roman, was sie für mich noch authentischer und beeindruckender macht. Wer vorher nicht viel über Israel wusste, bekommt ein interessantes Bild des Landes präsentiert. Das klassische Thema Identitätsfindung bekommt durch die vielseitigen Charaktere und die kulturell-politischen Konflikte eine besondere Perspektive. Durch den liebenswerten Humor wird der Film nicht anstrengend und lässt „das Herz mittanzen“.

von Sabrina Stock

Bild: ©NFP