Nach Schwarzmalern muss man nicht lange suchen. Der Kampf mit dem anhaltenden Flüchtlingsstrom, die Folgen der Technologisierung und die Verbreitung von psychischen Krankheiten. Das wird alles ganz schlimm, sagt meine Oma. Ich nehme sie sehr ernst, zumindest was den letzten Punkt betrifft. So zeigt der diesjährige Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse beispielsweise, dass bei jedem fünften Studenten eine psychische Auffälligkeit diagnostiziert wird.

Die Fakten sind also klar, das Warum nicht. Sicher leistet das Bachelor-Master-System seinen Beitrag dazu, glaubt ein Greifswalder Psychologe. Doch auch der selbst gemachte Stress führe zu einem Ungleichgewicht zwischen Entspannung und Arbeit. Wenn ich mir meine Kommilitonen so anschaue, habe ich den Eindruck, dass sich Disziplin für den zielstrebigen Ottonormalstudenten längst nicht nur auf‘s Studium beschränkt. Es gibt so vieles, was man optimieren kann. So viele Bereiche, in denen man sich mehr anstrengen könnte.

„Sportliche Betätigung und das Pflegen von Freundschaften werden dann zu einem ‚Luxusgut‘, das man sich angeblich nicht mehr leisten kann“, so der Spezialist.
Dass Hartnäckigkeit zum Erfolg dazugehört, kann man nicht bestreiten. Aber zu realisieren, dass man nicht ständig den – eigenen oder anderen – überhöhten Erwartungen entsprechen muss, ist wunderbar fürs Gleichgewicht. Dann kann ich meiner Oma über den Kopf streicheln und sagen: „Alles wird gut.“ Früher war das andersherum. Aber früher war ja auch alles besser.

von Luise Fechner

Foto: Privat