mm120_3_Editorial_Luise_PhilippSchulzEs ist laut. Es ist heiß. Es stinkt.
Eine richtig gemütliche Wohlfühlatmosphäre bietet so ein Club.

Als Philosophiestudentin suche ich gerne nach Antworten. Ganz gleich, womit sich die staubigen Denker in der Antike beschäftigt haben – ich glaube nicht, dass ihnen jemals etwas so Kopfzerbrechen bereitet hat wie mir die beliebteste studentische Abendbeschäftigung. Wochentags, samstags, sonntags und natürlich geburtstags wird ein Grund zum Feiern gefunden. Die Zeiten, in denen Feiern für meine Gleichaltrigen Konfetti, Schokoladenkuchen und Topfschlagen hieß, sind vorbei. Das schmerzt.

Wo fange ich an? Zunächst einmal: stumpfe Musik ist schädlich für das Seelenheil. Das sollten selbst diejenigen unter euch wissen, die von Wörtern wie „Yoga“ Pickel kriegen. Es überrascht wohl nicht, dass sich das mit zunehmender Lautstärke nicht ändert. Ganz außer Acht lassen wir dabei mal lieber, ob man trommelfellbeleidigende Bassschläge im Sekundentakt als Musik bezeichnen kann. Sonst ist das Editorial zu Ende und ich bin immer noch nicht fertig mit erklären.

Ich gestehe, dass ich mich trotz Abneigungen zu mehr oder weniger besonderen Anlässen dazu überreden lasse, mich unters tanzwütige Volk zu mischen. Beim letzten Mal war die einzige Aussicht auf die Rettung des Abends eine sympathische Bekanntschaft. Dachte ich. Bis mir zwischen Kopfschütteln und Augenbrauenhochziehen einfiel, dass man sich in Clubs nicht unterhalten kann. Als die sympathische Bekanntschaft dann auf die Idee kam, das einfach durch intensiveren Hautkontakt auszugleichen, hielt meine Frustrationstoleranz das Stoppschild hoch und die Bekanntschaft war gleich ein ganzes Stück weniger sympathisch. Nein, ich möchte deine Hände nicht auf meinen – einfach nirgendwo.

Auf der Flucht vor weiteren sympathischen Bekanntschaften gingen mir all die spannenden Abenteuer durch den Kopf, die ich gerade erleben könnte. Sport machen, schlafen oder Fussel aufsammeln – was den Abend in meiner Erinnerung wahrscheinlich heller erstrahlen ließe. Es ist aber mehr als die bloße Zeitverschwendung, die mich am Feiern stört. Eher, dass ich viel Alkohol brauche, um diese Nächte zu überstehen, was weder meinem Geldbeutel noch meinem Kopf am nächsten Morgen, nächsten Mittag, nächsten Nachmittag gefällt.

Versteht mich nicht falsch. Ich mag Musik. Und ich mag die Studenten in Greifswald. Sie sind so vielseitig, innovativ und kreativ. Selbst bei der Wahl ihrer Abendbeschäftigung. Wen ich jetzt noch nicht für eine Revolution begeistern konnte, der liest bitte die ersten drei Sätze noch mal.

von Luise Fechner

Foto: Philipp Schulz

 

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