Caro ist Medizinstudentin, studentische Hilfskraft, Ausbilderin bei Notfalltrainings und Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr. Ihr Pieper begleitet sie in der Universität, ihrer Freizeit und nachts. Auch wenn es manchmal eng wird – Caro will helfen.

Wenn es piept, dann lasse ich alles stehen und liegen.“ Carolina Hornke lacht und blickt auf ihren Funkmeldeempfänger, auch Pieper genannt. Sie zeigt mir ihre letzten Einsätze bei der Freiwilligen Feuerwehr, die darauf abgespeichert sind. Caro ist 22 Jahre alt, 1,62 Meter groß und studiert Medizin im fünften Semester. Sie trägt flache Schuhe, Rock und Kapuzenpulli. Ihre langen, dunkelblonden Haare trägt sie offen, ihre großen, grünen Augen schauen freundlich.

„Nur bei Pflichtveranstaltungen bleibe ich im Kurs sitzen, weil sich Notrufe oft als Fehlalarm entpuppen. Und wenn ich mitten in der Nacht umsonst aufgestanden bin, wünsche ich mich schon manchmal ins Bett zurück. Aber es macht mir trotzdem viel Spaß, bei der Freiwilligen Feuerwehr mitzumachen. Das ist Freizeit für mich.“ Caros Freizeit hat sich schon früh außergewöhnlich gestaltet. Mit zwölf Jahren begann sie, Clogging, einen amerikanischen Stepptanz, zu unterrichten, mit 15 verbrachte sie ein Jahr in Kanada. Nach ihrer Rückkehr ging Caro auf ein Internat in der Nähe von Stuttgart. „Ich habe mich auf dem normalen Gymnasium unterfordert gefühlt. Am Internat hat mir gefallen, dass wir besondere Zusatzkurse wählen konnten, zum Beispiel im musischen Bereich.“ Caros Vater ist auch Arzt und in der Notfallmedizin tätig. Ihre anderthalb Jahre jüngere Schwester studiert European Studies, ihr kleiner Bruder ist bei den Pfadfindern aktiv. In Greifswald wohnt Caro in einer Dreier-Wohngemeinschaft (WG), zusammen mit einer Medizin- und einer Landschaftsökologie-Studentin. Den Drang, Menschen zu retten und ihnen helfen zu wollen, hat sie schon mit 13 Jahren entdeckt und ist ihm mit dem Einstieg in den Schulsanitätsdienst nachgegangen. „Von dort an wollte ich immer mehr wissen“, sagt sie lächelnd. Und so hat sie in den Ferien eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht und begonnen, im Rettungsdienst zu arbeiten. Was sie dann zur Feuerwehr gebracht hat, waren Fragen wie: „Wie kommt der Patient zu mir?“, „Wie werden die Patienten aus zertrümmerten Autos oder brennenden Häusern geholt?“

„Man muss Abstand wahren.“

Eine Berufsfeuerwehr haben eigentlich nur Städte ab einer Einwohnerzahl von 80 000. Greifswald hat eine Sonderstellung mit einer – allerdings sehr kleinen – Berufsfeuerwehr. Denn die Hansestadt bietet viele Gefahrenfaktoren mit Instituten wie dem Universitätsklinikum, dem Max-Planck-Institut oder dem Friedrich-Loeffler-Institut. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr muss Caro erst ausrücken, wenn die Berufsfeuerwehr Hilfe braucht. Nicht also bei Einsätzen wie einer Katze auf dem Baum, sondern in schwierigeren Fällen wie zum Beispiel bei Bränden. Dennoch hat auch die Freiwillige Feuerwehr regelmäßig Einsätze, im vergangenen Jahr waren es über 200. Häufig rücken sie aber aufgrund von nicht funktionierenden Brandmeldern aus, sodass es dann vorkommt, dass Caro und die anderen Helfer auf dem Weg zum Einsatz eine Entwarnung erhalten und wieder umdrehen können. „Langweilig ist es, wenn die Berufsfeuerwehr länger weg ist, zum Beispiel bei einer Aktion in Nachbardörfern, und wir als Stadtschutz die Stellung halten müssen. Dann müssen wir warten, bis die anderen zurückkehren.“ Einen Brand hat Caro in Greifswald erst zweimal erlebt. Bei anderen Einsätzen musste sie Ölspuren abstreuen. „Meinen ersten Einsatz hatte ich in meiner Heimat. Da ist jemand aus dem Altenheim abgehauen und wir mussten bei der Suche helfen.“ In ihrer Heimat hat sie auch ihren bisher schlimmsten Einsatz erlebt: einen Verkehrsunfall mit vier Toten. „Ich war froh, dass ich da noch ganz neu war und nicht viel Verantwortung hatte. Dadurch konnte ich das Ganze aus der Ferne beobachten – wie die Menschen aus dem Auto geschnitten und dann behandelt wurden.“ In ihren Rettungsdiensten hat sie kleinere, aber auch lebensbedrohliche Verkehrsunfälle miterlebt. „Am häufigsten sind Herzinfarkte, Schlaganfälle und Betrunkene“, sagt sie. „Aber man merkt sich nicht alles so genau. Es gehört irgendwie zu meinem Alltag dazu, und gleichzeitig versuche ich, genug Abstand zu wahren, damit Einzelfälle mich nicht zu sehr berühren.“

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Caro demonstriert Notfallmaßnahmen im Simulationszentrum.

„Ich bin ein Sicherheitsfreak!“

Damit sie bei Bränden Feuer löschen und Menschen retten kann, will Caro die Ausbildung zur Atemschutzgeräteträgerin machen. Ein Atemschutzgerät ist eine mit Pressluft gefüllte Flasche, die man auf dem Rücken trägt. Auf die Frage, ob sie denn keine Angst hat, in ein brennendes Gebäude zu laufen, antwortet sie: „Eigensicherung geht immer vor. Aber bei der Menschenrettung wägt man natürlich genau ab, was möglich ist. Und es frustriert manchmal, wenn man bei Bränden lange warten muss, bis man zum Einsatz fahren darf, weil man kein Atemschutzgerät hat.“ Dann erzählt sie, wie sie in den Semesterferien bereits eine Ausbildung abgeschlossen hat. Sie ist Maschinistin, das heißt sie kann Feuerwehrfahrzeuge und deren Wasserpumpen bedienen. Dass man für den Einsatz als Maschinist auch einen Lkw-Führerschein benötigt, stellte für sie kein Problem dar. Denn den besitzt sie schon, seitdem sie 19 ist. „Es ist aufregend, ein 14,5 Tonnen schweres Auto zu fahren. Mit Blaulicht und Martinshorn kann man zwar von der Straßenverkehrsordnung abweichen, aber gleichzeitig hat man eine erhöhte Sorgfaltspflicht und immer Mitschuld, wenn etwas passiert. Deswegen fahre ich beispielsweise bei roten Ampeln besonders vorsichtig.“ Auch auf dem Fahrrad ist ihr Vorsicht wichtig. „Ich bin ein Sicherheitsfreak“, sagt sie grinsend. „Ich setze immer einen Helm auf.“

Bei der Greifswalder Freiwilligen Feuerwehr engagieren sich 69 Mitglieder, davon 15 Frauen und 15 Studenten. Da Berufstätige häufig Schwierigkeiten haben, ihre Arbeit für Einsätze zu unterbrechen, sind tagsüber hauptsächlich Studenten bei der Freiwilligen Feuerwehr anzutreffen. Sie werden auch als Führungskräfte eingesetzt, oder wie Caro als Maschinistin. Die Feuerwehr-Kleidung, die Caro und die anderen tragen, kostet 1 300 Euro. „Ich bin seit November 2013 bei der Greifswalder Freiwilligen Feuerwehr, also seit über zwei Jahren“, erzählt Caro. „Ich bin einfach vorbeigekommen und zufällig mit jemand anderem das erste Mal hier gewesen. Wir wurden direkt freundlich aufgenommen, hier sind alle sehr aufgeschlossen.“ Zweimal im Monat trifft sich die Freiwillige Feuerwehr, jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat, jeweils um 18 Uhr. „Es werden immer neue Leute gesucht. Mit mehr Mitgliedern könnten wir zwei Züge bilden und es müsste nicht jeder bei jedem Alarm zur Wache kommen.“

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Das Schlauch- und Kabelgewirr einer computergesteuerten Simulationspuppe .

„Umdenken erfordert Mut“

Nebenbei ist Caro außerdem studentische Hilfskraft und Ausbilderin bei Notfalltrainings. „Ich betreue ein Praktikum, das ich dieses Semester selbst machen muss“, erzählt sie mit einem Grinsen im Gesicht. Als sei es ihr Zuhause, bewegt sie sich durch das Simulationszentrum des Klinikums; einen alten umgebauten Operationssaal. Hier liegen zwei verkabelte Puppen, die bei Notfalltrainings von Medizinstudenten und Pflegeschülern „untersucht“ werden. Die Puppen werden von einem Computer gesteuert, ihr Puls kann gemessen und verschiedene Beschwerden simuliert werden. „Wir wollen, dass die Leute die Fehler an den Puppen machen und nicht an den echten Patienten“, erklärt sie. Aber bei diesen Simulationen geht es nicht nur um die praktische Anwendung von Gelerntem, sondern vor allem um das Funktionieren als Team. So erklärt es Caro auch kurze Zeit später in ihrem Vortrag, den sie im Rahmen der Arbeitsgruppe Erste Hilfe und Notfallkunde für Medizinstudierende e.V. hält: „Umdenken erfordert Mut“, meint sie. Und nur, wenn menschliche Faktoren im Arbeitsprozess bewusst gemacht werden, kann Teamkommunikation erfolgreich funktionieren und so dem Patienten am besten geholfen werden.
In Greifswald fühlt Caro sich wohl. „Ich bin kein Großstadtmensch.“ Aber nach dem Studium würde sie gerne wieder zurück ins Rhein-Main-Gebiet, zu Familie und Freunden aus der Heimat. Aber auch zurück zur Feuerwehr und dem Rettungsdienst, durch die sie die Begeisterung für ihr heutiges Engagement gefunden hat. Als sie das Medizinstudium begonnen hat, war sie zunächst nicht sicher, ob sie für dieses genug Zeit haben würde. „Aber schon im ersten Semester habe ich die Krise bekommen, wenn ich am Schreibtisch gelernt und draußen das Martinshorn gehört habe. Ich wollte wieder was Aktives machen, wieder wirklich helfen können. Das finde ich interessanter als Lernen.“ Ein positiver Nebeneffekt ist, dass sie ihr Studium komplett  selbst finanzieren kann. Ob das ihren Prüfungsleistungen irgendwie schadet? „Nein. Mir fällt das Lernen leicht und ich komme immer gut mit. Das Physikum habe ich mit einer 2 bestanden. Aber ich gehe nicht gerne feiern. Die Zeit nutze ich für andere Dinge. Und Bücher lese ich in den Ferien.“ Ein bisschen Zeit für sich selbst braucht sie dann aber doch. „Mein Glaube ist mir ziemlich wichtig“, sagt sie bestimmt. „Deswegen reserviere ich den Sonntag immer für einen Gottesdienst.“ Aber dieser findet nicht, wie man denken könnte, in einer Kirche statt, sondern bei Caro selbst, zu Hause in ihrer Dreier-WG. „Ich bin evangelisch-freikirchlich aufgewachsen, in einer Gemeinde, die keiner großen Konfession angehört. In Greifswald habe ich keine Kirche gefunden, in der ich mich wirklich wohl gefühlt habe. Deswegen mache ich meinen Gottesdienst jetzt selber.“ Jedoch führt sie diesen nicht alleine durch, sondern gemeinsam mit einer guten Freundin. „Wir machen dann zusammen Musik, meine Freundin bringt ihre Gitarre mit. Wir lesen in der Bibel und gucken uns Predigten im Internet an. Manchmal predigt auch eine von uns selbst, wenn es Themen gibt, über die wir gerne reden würden.“ Das machen sie nun seit etwa einem Jahr so. „Wahrscheinlich gehe ich aber irgendwann wieder in eine Gemeinde, weil Teil einer Gemeinschaft zu sein etwas Wichtiges ist.“ Daraus schöpft die engagierte Studentin ihre Kraft, die sie auch braucht, wenn sie wie gewohnt 24 Stunden abrufbereit ist.

Wenn es piept, dann lasse ich alles stehen und liegen.“ Carolina Hornke lacht und blickt auf ihren Funkmeldeempfänger, auch Pieper genannt. Sie zeigt mir ihre letzten Einsätze bei der Freiwilligen Feuerwehr, die darauf abgespeichert sind. Caro ist 22 Jahre alt, 1,62 Meter groß und studiert Medizin im fünften Semester. Sie trägt flache Schuhe, Rock und Kapuzenpulli. Ihre langen, dunkelblonden Haare trägt sie offen, ihre großen, grünen Augen schauen freundlich.
„Nur bei Pflichtveranstaltungen bleibe ich im Kurs sitzen, weil sich Notrufe oft als Fehlalarm entpuppen. Und wenn ich mitten in der Nacht umsonst aufgestanden bin, wünsche ich mich schon manchmal ins Bett zurück. Aber es macht mir trotzdem viel Spaß, bei der Freiwilligen Feuerwehr mitzumachen. Das ist Freizeit für mich.“ Caros Freizeit hat sich schon früh außergewöhnlich gestaltet. Mit zwölf Jahren begann sie, Clogging, einen amerikanischen Stepptanz, zu unterrichten, mit 15 verbrachte sie ein Jahr in Kanada. Nach ihrer Rückkehr ging Caro auf ein Internat in der Nähe von Stuttgart. „Ich habe mich auf dem normalen Gymnasium unterfordert gefühlt. Am Internat hat mir gefallen, dass wir besondere Zusatzkurse wählen konnten, zum Beispiel im musischen Bereich.“ Caros Vater ist auch Arzt und in der Notfallmedizin tätig. Ihre anderthalb Jahre jüngere Schwester studiert European Studies, ihr kleiner Bruder ist bei den Pfadfindern aktiv. In Greifswald wohnt Caro in einer Dreier-Wohngemeinschaft (WG), zusammen mit einer Medizin- und einer Landschaftsökologie-Studentin. Den Drang, Menschen zu retten und ihnen helfen zu wollen, hat sie schon mit 13 Jahren entdeckt und ist ihm mit dem Einstieg in den Schulsanitätsdienst nachgegangen. „Von dort an wollte ich immer mehr wissen“, sagt sie lächelnd. Und so hat sie in den Ferien eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht und begonnen, im Rettungsdienst zu arbeiten. Was sie dann zur Feuerwehr gebracht hat, waren Fragen wie: „Wie kommt der Patient zu mir?“, „Wie werden die Patienten aus zertrümmerten Autos oder brennenden Häusern geholt?“
Eine Berufsfeuerwehr haben eigentlich nur Städte ab einer Einwohnerzahl von 80 000. Greifswald hat eine Sonderstellung mit einer – allerdings sehr kleinen – Berufsfeuerwehr. Denn die Hansestadt bietet viele Gefahrenfaktoren mit Instituten wie dem Universitätsklinikum, dem Max-Planck-Institut oder dem Friedrich-Loeffler-Institut. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr muss Caro erst ausrücken, wenn die Berufsfeuerwehr Hilfe braucht. Nicht also bei Einsätzen wie einer Katze auf dem Baum, sondern in schwierigeren Fällen wie zum Beispiel bei Bränden. Dennoch hat auch die Freiwillige Feuerwehr regelmäßig Einsätze, im vergangenen Jahr waren es über 200. Häufig rücken sie aber aufgrund von nicht funktionierenden Brandmeldern aus, sodass es dann vorkommt, dass Caro und die anderen Helfer auf dem Weg zum Einsatz eine Entwarnung erhalten und wieder umdrehen können. „Langweilig ist es, wenn die Berufsfeuerwehr länger weg ist, zum Beispiel bei einer Aktion in Nachbardörfern, und wir als Stadtschutz die Stellung halten müssen. Dann müssen wir warten, bis die anderen zurückkehren.“ Einen Brand hat Caro in Greifswald erst zweimal erlebt. Bei anderen Einsätzen musste sie Ölspuren abstreuen. „Meinen ersten Einsatz hatte ich in meiner Heimat. Da ist jemand aus dem Altenheim abgehauen und wir mussten bei der Suche helfen.“ In ihrer Heimat hat sie auch ihren bisher schlimmsten Einsatz erlebt: einen Verkehrsunfall mit vier Toten. „Ich war froh, dass ich da noch ganz neu war und nicht viel Verantwortung hatte. Dadurch konnte ich das Ganze aus der Ferne beobachten – wie die Menschen aus dem Auto geschnitten und dann behandelt wurden.“ In ihren Rettungsdiensten hat sie kleinere, aber auch lebensbedrohliche Verkehrsunfälle miterlebt. „Am häufigsten sind Herzinfarkte, Schlaganfälle und Betrunkene“, sagt sie. „Aber man merkt sich nicht alles so genau. Es gehört irgendwie zu meinem Alltag dazu, und gleichzeitig versuche ich, genug Abstand zu wahren, damit Einzelfälle mich nicht zu sehr berühren.“

Damit sie bei Bränden Feuer löschen und Menschen retten kann, will Caro die Ausbildung zur Atemschutzgeräteträgerin machen. Ein Atemschutzgerät ist eine mit Pressluft gefüllte Flasche, die man auf dem Rücken trägt. Auf die Frage, ob sie denn keine Angst hat, in ein brennendes Gebäude zu laufen, antwortet sie: „Eigensicherung geht immer vor. Aber bei der Menschenrettung wägt man natürlich genau ab, was möglich ist. Und es frustriert manchmal, wenn man bei Bränden lange warten muss, bis man zum Einsatz fahren darf, weil man kein Atemschutzgerät hat.“ Dann erzählt sie, wie sie in den Semesterferien bereits eine Ausbildung abgeschlossen hat. Sie ist Maschinistin, das heißt sie kann Feuerwehrfahrzeuge und deren Wasserpumpen bedienen. Dass man für den Einsatz als Maschinist auch einen Lkw-Führerschein benötigt, stellte für sie kein Problem dar. Denn den besitzt sie schon, seitdem sie 19 ist. „Es ist aufregend, ein 14,5 Tonnen schweres Auto zu fahren. Mit Blaulicht und Martinshorn kann man zwar von der Straßenverkehrsordnung abweichen, aber gleichzeitig hat man eine erhöhte Sorgfaltspflicht und immer Mitschuld, wenn etwas passiert. Deswegen fahre ich beispielsweise bei roten Ampeln besonders vorsichtig.“ Auch auf dem Fahrrad ist ihr Vorsicht wichtig. „Ich bin ein Sicherheitsfreak“, sagt sie grinsend. „Ich setze immer einen Helm auf.“

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Bei der Greifswalder Freiwilligen Feuerwehr engagieren sich 69 Mitglieder, davon 15 Frauen und 15 Studenten. Da Berufstätige häufig Schwierigkeiten haben, ihre Arbeit für Einsätze zu unterbrechen, sind tagsüber hauptsächlich Studenten bei der Freiwilligen Feuerwehr anzutreffen. Sie werden auch als Führungskräfte eingesetzt, oder wie Caro als Maschinistin. Die Feuerwehr-Kleidung, die Caro und die anderen tragen, kostet 1 300 Euro. „Ich bin seit November 2013 bei der Greifswalder Freiwilligen Feuerwehr, also seit über zwei Jahren“, erzählt Caro. „Ich bin einfach vorbeigekommen und zufällig mit jemand anderem das erste Mal hier gewesen. Wir wurden direkt freundlich aufgenommen, hier sind alle sehr aufgeschlossen.“ Zweimal im Monat trifft sich die Freiwillige Feuerwehr, jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat, jeweils um 18 Uhr. „Es werden immer neue Leute gesucht. Mit mehr Mitgliedern könnten wir zwei Züge bilden und es müsste nicht jeder bei jedem Alarm zur Wache kommen.“

Nebenbei ist Caro außerdem studentische Hilfskraft und Ausbilderin bei Notfalltrainings. „Ich betreue ein Praktikum, das ich dieses Semester selbst machen muss“, erzählt sie mit einem Grinsen im Gesicht. Als sei es ihr Zuhause, bewegt sie sich durch das Simulationszentrum des Klinikums; einen alten umgebauten Operationssaal. Hier liegen zwei verkabelte Puppen, die bei Notfalltrainings von Medizinstudenten und Pflegeschülern „untersucht“ werden. Die Puppen werden von einem Computer gesteuert, ihr Puls kann gemessen und verschiedene Beschwerden simuliert werden. „Wir wollen, dass die Leute die Fehler an den Puppen machen und nicht an den echten Patienten“, erklärt sie. Aber bei diesen Simulationen geht es nicht nur um die praktische Anwendung von Gelerntem, sondern vor allem um das Funktionieren als Team. So erklärt es Caro auch kurze Zeit später in ihrem Vortrag, den sie im Rahmen der Arbeitsgruppe Erste Hilfe und Notfallkunde für Medizinstudierende e.V. hält: „Umdenken erfordert Mut“, meint sie. Und nur, wenn menschliche Faktoren im Arbeitsprozess bewusst gemacht werden, kann Teamkommunikation erfolgreich funktionieren und so dem Patienten am besten geholfen werden.
In Greifswald fühlt Caro sich wohl. „Ich bin kein Großstadtmensch.“ Aber nach dem Studium würde sie gerne wieder zurück ins Rhein-Main-Gebiet, zu Familie und Freunden aus der Heimat. Aber auch zurück zur Feuerwehr und dem Rettungsdienst, durch die sie die Begeisterung für ihr heutiges Engagement gefunden hat. Als sie das Medizinstudium begonnen hat, war sie zunächst nicht sicher, ob sie für dieses genug Zeit haben würde. „Aber schon im ersten Semester habe ich die Krise bekommen, wenn ich am Schreibtisch gelernt und draußen das Martinshorn gehört habe. Ich wollte wieder was Aktives machen, wieder wirklich helfen können. Das finde ich interessanter als Lernen.“ Ein positiver Nebeneffekt ist, dass sie ihr Studium komplett  selbst finanzieren kann. Ob das ihren Prüfungsleistungen irgendwie schadet? „Nein. Mir fällt das Lernen leicht und ich komme immer gut mit. Das Physikum habe ich mit einer 2 bestanden. Aber ich gehe nicht gerne feiern. Die Zeit nutze ich für andere Dinge. Und Bücher lese ich in den Ferien.“ Ein bisschen Zeit für sich selbst braucht sie dann aber doch. „Mein Glaube ist mir ziemlich wichtig“, sagt sie bestimmt. „Deswegen reserviere ich den Sonntag immer für einen Gottesdienst.“ Aber dieser findet nicht, wie man denken könnte, in einer Kirche statt, sondern bei Caro selbst, zu Hause in ihrer Dreier-WG. „Ich bin evangelisch-freikirchlich aufgewachsen, in einer Gemeinde, die keiner großen Konfession angehört. In Greifswald habe ich keine Kirche gefunden, in der ich mich wirklich wohl gefühlt habe. Deswegen mache ich meinen Gottesdienst jetzt selber.“ Jedoch führt sie diesen nicht alleine durch, sondern gemeinsam mit einer guten Freundin. „Wir machen dann zusammen Musik, meine Freundin bringt ihre Gitarre mit. Wir lesen in der Bibel und gucken uns Predigten im Internet an. Manchmal predigt auch eine von uns selbst, wenn es Themen gibt, über die wir gerne reden würden.“ Das machen sie nun seit etwa einem Jahr so. „Wahrscheinlich gehe ich aber irgendwann wieder in eine Gemeinde, weil Teil einer Gemeinschaft zu sein etwas Wichtiges ist.“ Daraus schöpft die engagierte Studentin ihre Kraft, die sie auch braucht, wenn sie wie gewohnt 24 Stunden abrufbereit ist.

von Sabrina Stock

Fotos: Lisa Klauke-Kerstan (Feuerwehr), Sabrina Stock (Simulationszentrum)