Rezension

Hildegard Knef kennt nicht jeder. Ihre Lieder sind speziell und vor allem aus den 1950ern. Das haben unsere Eltern und Großeltern gehört, das finden wir doof. Ein Tributalbum an die außergewöhnliche Sängerin und Schauspielerin sollte ihr daher neues Leben einhauchen, sie radiotauglich machen und Sony kurz vor Weihnachten noch ein paar wehmütige Käufe bescheren. Das ist reichlich danebengegangen. Wer die Originale kennt, merkt schnell: Bei dem Album handelt es sich um einen krampfhaften Versuch, aus Klassikern Mainstream-Popsongs zu machen. Das tut weder den Klassikern noch den Neuinterpretationen gut. Da nützen auch die persönlichen Eingangsworte von Hilde selbst nichts.

Am misslungensten ist definitiv die Version des Liedes „Von nun an ging‘s bergab“ mit umgedichteten Textzeilen in typischer Samy Deluxe-Manier – ganz schlimm! Sowieso überzeugt keines der Lieder, die originale Audiodateien mit modernen Klängen remixen. Zum Glück kamen auf diese Idee nicht allzu viele der mehr oder weniger bekannten 19 Neuinterpreten. Unter die vom Label so genannten Gratulanten haben sich Mark Forster, Die Fantastischen Vier, Bela B & Bonaparte, Samy Deluxe, Clueso, Mieze und Selig gemischt. Hätten sie mal lieber zum 90. Geburtstag der Knef keine Songs aufgenommen, sondern Blumen am Grab der 2002 Verstorbenen hinterlegt – das wäre sinnvoller gewesen.

Ein paar wenige gelungene Ausnahmen gibt es trotzdem. Den würdigen Beginn des Albums macht zum Beispiel Mark Foster mit „Halt mich fest“. Da denkt man noch, dass alles gut wird. Schnulzig, aber nah am Chanson der Sängerin und deshalb ebenfalls wunderbar zu hören, ist Johannes Oerdings Version von „Eins und eins“.  Und auch Lea, wer immer sie sein mag, hat aus „So hat alles einen Sinn“ etwas Schönes für die Ohren gemacht. Das wohl bekannteste Stück von Hildegard Knef „Rote Rosen“ wurde von Alina Wichmann neu eingesungen – annehmbar. Man sollte trotzdem beim Original bleiben. Um Barney Stinson zu widersprechen: „Neu ist nicht immer besser.“

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: ©Four Music