Rezension

Spätestens seit 2013 ist Lukas Strobel, eher bekannt unter dem Namen „Alligatoah“ aka „Die Terroristen“, eine bekannte Stimme aus der Rap und Hip-Hop Szene. Ende 2015 legte der selbsternannte „Sprechgesangskünstler“ sein viertes Album „Musik ist keine Lösung“ vor.  In seinen Songs äußert der 26-Jährige auf seine sehr provokante ironische Art Kritik an der Gesellschaft und ihrer politischen Einstellung. So kritisiert er beispielsweise mit „Du bist schön“ den Schönheitswahn, und die heutige Wegwerfgesellschaft inklusive der Umweltverschmutzung mit dem Titel „Lass liegen“.  Im Titelsong „Musik ist keine Lösung“ stellt er sich klar und deutlich gegen Rassismus und erläutert, dass ein Lied die Welt nicht verändert, sondern gegenteilig sogar für falsche Zwecke genutzt werden kann. Songs wie dieser zergehen einem direkt auf der Zunge, an anderen knabbert man etwas länger, bis man auf den richtigen Geschmack kommt.

Aber egal mit welcher Melodie oder welchem Instrument Alligatoahs Texte und Wortspielereien untermalt werden, bei jedem Lied besteht die große Gefahr eines Ohrwurms. Also wieder typisch Alligatoah. Jedoch merkt man beim Vergleich mit den vorherigen Alben, dass der Sänger Themen seriöser und ernster verpackt und sein Sprachstil sich langsam von der häufig in der Rapszene  genutzten Fäkalsprache abwendet. „Das bedeutet Krieg“ ist einer der weniger eingängigen Songs, was hauptsächlich an der Zusammenarbeit mit Morlockk Dilemma und seinem anstrengenden Rapstil liegt. Neben diesem sind auf dem Album im instrumentellen Bereich erstmalig unterschiedliche Straßenmusiker vertreten, was Alligatoah erneut als einen vielseitigen Musiker auszeichnet, der viele seiner alten Masken und Gesichter wieder aufsetzt, aber auch neue parat hat. Seine Stimme setzt er geschickt ein und zeigt sein volles Talent, egal ob Sing-Sang, Rap oder andere Facetten. „Musik ist keine Lösung“ – aber ein Kunstwerk.

von Max Benning

Foto: ©Trailerpark