Rezension

Die Bevölkerung der westlichen Konsumgesellschaft ist zu fett. Ein Fakt, der eigentlich keine neue Erkenntnis darstellt. War in den USA vor 25 Jahren noch jedes zwanzigste Kind übergewichtig, so ist es jetzt jedes fünfte. Auch die Prognose sieht verheerend aus. Es ist die Rede von einer Epidemie, die sich über große Teile der Welt ausbreitet und eine riesige Belastung für das Gesundheitssystem darstellt – hat sie doch die Bedrohlichkeit von Rauchen, einem der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, längst eingeholt. Jene und andere Tatsachen werden in „Fed Up“ beleuchtet und die Ursachen kritisch hinterfragt. Die Filmemacherin Stephanie Soechtigs geht davon aus, dass nicht der zunehmende Bewegungsmangel für das Ungleichgewicht zwischen Kalorienaufnahme und -verbrauch ausschlaggebend ist, sondern die Ernährung und unterstellt, dass die Herangehensweise „grundlegend falsch“ ist. Sie enthüllt dabei geschickt die perfiden Spielchen der Zuckerlobby und legt das politische Totalversagen der amerikanischen Regierung offen. Diese hat bisher versucht, alle Verantwortung von sich zu weisen, obwohl sie – zumindest bezogen auf das Ernährungsproblem – offensichtlich gescheitert ist. So wird beispielsweise aufgedeckt, dass sich der Verband der amerikanischen Kinderärzte mit Coca Cola verbündet hat.

Was in diesem Film leider nur angerissen wird und daher etwas zu kurz kommt, sind ernährungsphysiologische Aspekte. Stattdessen wird vor allem die Werbeindustrie verteufelt, die es durch dreckige psychologische Tricks schafft, schon Dreijährige zu manipulieren. Die Folge sind 180 Kilo schwere Fünfzehnjährige, die Magenband-OPs erhalten statt gesundes Schulessen. Aber privater Profit und die Interessen einzelner stehen eben über der Gesundheit aller – das ist sogar rentabel für die amerikanischen Krankenkassen, die Aktien bekannter Fastfood-Hersteller erwerben. Der Film ist zu Beginn etwas zäh, wird aber bald spannender und zeigt einmal mehr auf, wie weit die Macht der Industrie geht und die Politik mitspielt.

von Rebecca Firneburg

Foto: ©Universum Film