Plasma für die Welt

In Greifswald leben die Greifswalder. Ein kleines Völkchen, das in seinen kleinen Wohnungen ein ganz beschauliches und passables Leben lebt. Wir sind im Rest des Landes weder für unsere besonderen Heldentaten noch für ein übermäßiges Maß an Boshaftigkeit bekannt. Vor wenigen Wochen gelang es jedoch einem Team aus mehreren Forschern, in einem extra angelegten und neu gebauten Labor etwas sehr heroisch Gutes zu tun, was im Rest der Welt für ein Raunen sorgte. Symbolisch haben sie während der Weltklimakonferenz erstmalig testweise Plasma erzeugt, wie es sonst nur die Sonne tut, um damit einen ersten Schritt in Richtung saubere Energie zu tun.

Eine schwerdefinierbare, weil sonst eigentlich nicht vorhandene, millionenmilliarden Grad heiße Masse in einem Vakuum. Warum das in Greifswald stattfinden musste, weiß kein Mensch. Vermutlich lag es an den günstigen Standortfaktoren. Wäre etwas schief gegangen und die schlauen Menschen vom Max-Planck-Institut hätten etwas falsch gemacht, wäre das entstandene Schwarze Loch erst 50 Jahre später aufgefallen – wusste ja schon der Kaiser. Meine Vermutung geht eher dahin, dass der gemeine Greifswalder für so große Horizonte dann doch etwas zu klein ist und die Forscher in Ruhe mit ihrem neuen Flubber spielen wollten – wusste ja schon Professor Philip Brainard.

Aber wie kann nun dieser doch wirklich eher schwer greifbare und noch sehr theoretische Plan nutzbar gemacht werden? Vielleicht ist es ja möglich, dass der Kernfusionsreaktor der Marke Wendelstein 7-X mit einem von Marketingexperten erdachten griffigeren Namen ausgestattet in die Massenproduktion geht und 90 Prozent der weltweiten Haushalte mit sauberer, nachhaltiger Energie versorgt, um so auch den größten grünen Hanfpulloverträgern ein kleines Freudentränchen abzuquetschen. Dann wird es auf jeden Fall über kurz oder lang heißen: „MAMA, der Plasmainator3000 geht wieder nicht, mein Computer ist gerade ausgegangen!“ – „Dann musst du noch ein bisschen Wasserstoff oder Helium nachlegen, Kevin, das steht auf der Anzeige!“ Die alten Kachelöfen in den Wohnzimmern und der Kohlekeller hatten ja noch bis in die 90er ihren Charme, die Älteren werden sich erinnern. Bis zum Jahr 2050 ist es ja auch nicht mehr so lange, die Jüngeren werden es schaffen. Vielleicht haben sich bis dahin die vertraglich festgemachten Träume und Wünsche der Weltklimakonferenz noch nicht in Kohlekraftwerkrauch aufgelöst und es herrscht ein besseres Bewusstsein für unsere Erde. Wir werden dann mit einem offenen Auge recyceln, die Säcke für den Restmüll der Küchen werden Jutebeutel sein, die nach der Benutzung gewaschen und wiederverwendet werden und in jedem Hausflur der Mietskasernen steht ein kleiner Komposthaufen, der genug Wasserstoff für die Betreibung des Plasmainator3000 daneben herstellt. Oder Seehofer und sein Schoßhund Söder begrüßen jeden Flüchtling an der Bayrischen Grenze mit Blumen und Decken. Beides denkbar.

Bild_KolumneWarum eigene Worte finden, wenn es doch schon jemand wie Jean Baptiste Molière gesagt hat: „Der Grammatik müssen sich selbst Könige beugen, aber kein Internetnutzer mehr.“

von Philipp Schulz

Foto: privat