Was wohl Frau Schwarzer zu diesen Zahlen sagen würde: Im Greifswalder Studierendenparlament (StuPa) saßen in der letzten Legislatur gerade mal drei Frauen. Das ergibt bei insgesamt 27 Plätzen im StuPa eine Frauenquote von nur 11,1 Prozent, wo sich doch 60 Prozent der Greifswalder Studierenden dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Da stimmt doch was nicht!

„Das Problem ist nicht, dass Frauen nicht gewählt werden, sondern schlicht und ergreifend, dass weibliche Studierende nicht willens sind zu kandidieren“, erklärt Professor Jochen Müller, der die Juniorprofessur für Politische Soziologie an unserer Universität innehat. Dieses Muster zeigt sich auch bei der aktuellen Gremienwahl – insgesamt kandidierten nur neun Frauen. Das ist schade, denn Studien zeigen, dass „Frauen andere Werte vertreten und dadurch in Parlamenten tendenziell andere Themen mit auf die Agenda bringen“, so Müller weiter.

Trauen sich die Frauen etwa nicht? Pustekuchen. In Greifswald konstituiert sich das StuPa auf der Basis einer Personenwahl. „Wenn man nun Mitglied in einer Hochschulpartei ist, ist es auch wahrscheinlicher, dass man kandidiert. Jetzt ist aber der Anteil von Frauen in diesen Gruppen grundsätzlich geringer“, erklärt Müller den Zusammenhang. Weniger Frauen in den Parteien führen demnach zu weniger Kandidatinnen und damit zu weniger Pumps im StuPa. „Frauen sind politisch interessiert, aber ihr parteipolitisches Engagement ist eben geringer ausgeprägt“, sagt Müller abschließend. Lasst das bloß nicht Frau Schwarzer wissen.

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: Lisa Klauke-Kerstan