Rezension

Ich muss gestehen: Ich bin seit meinen Kindheitstagen ein großer Sherlock Holmes-Fan und deshalb hat mich die Nachricht einer Neuauflage, diesmal aus deutschem Hause, sehr erfreut. Mit altbekannter Brillanz widmet sich der berühmte Detektiv Sherlock Holmes seinem neuesten Fall in dem aktuellen Hörspiel „Das Rätsel von Musgrave Abbey“. Es geht um zwei eigentlich völlig verschiedene Geschichten: die Entführung eines Jungen aus einem Elite-Internat und den Diebstahl des Manuskriptes eines kommenden Bestsellerromans. Allerdings kann Sherlock Holmes zwischen diesen scheinbar willkürlichen Akten einen Zusammenhang erkennen.

Das Hörspiel macht Spaß: die Dialoge sind zackig und witzig, lassen den Hörer regelrecht mitreden; die Synchronsprecher, hier vor allem Johann von Bülow als Sherlock Holmes, gehen komplett in ihren Rollen auf. Jeder noch so kleine Seufzer ist authentisch, und man merkt, dass viel Mühe in die Produktion gesteckt wurde. Der Fall ist so spannend, dass man die rund 76 Minuten in einem Rutsch hört, um zu wissen, wie es ausgeht. Doch manchmal ist es etwas schwierig, der rasanten Logik Sherlocks zu folgen, was allerdings die Authentizität des Hörspiels steigert. Und alte Fans kann das ja eh nicht schocken. Sherlock selbst kommt etwas gefühlskälter und gemeiner als gewohnt daher. Watson ist ein wenig ungeduldiger als in den Büchern, aber auch hier das Herz des Duos. Leider fehlt ein wenig die Vertrautheit zwischen den besten Freunden, die viele andere Inkarnationen so unwiderstehlich gemacht hat. Aber vielleicht ändert sich das noch im Laufe der Hörspielreihe.

Man kann allerdings nicht anders, als sich an die BBC-Serie „Sherlock“ erinnert zu fühlen. Gibt es doch hier und da kleine Überschneidungen, wie zum Beispiel die Neuansiedlung der Geschichte in der Jetztzeit, oder dass Watsons Bruder Harry aus den Büchern auch hier eine Frau ist. Dennoch ist es eine gelungene Neuauflage des berühmten Meisterdetektives.

von Dean Münder

Foto: © Der Audioverlag