Rezension

Eine idyllisch gelegene Kleinstadt, abrutschende Gebirgsmassen und eine Todeswelle. Dazu ein von seiner Familie getrennter Familienvater und ein hollywoodreifes Effektfeuerwerk. Klingt nicht nur nach Katastrophenfilm-Klischee, ist es über weite Strecken auch – und dennoch macht der norwegische Film „The Wave“ einiges anders und besser als seine Genrekollegen.

Kristian lebt mit seiner Familie am malerischen Geirangerfjord – eine Gegend, die vom Tourismus und gleichzeitig mit der Gefahr lebt, jederzeit von einem gewaltigen Tsunami heimgesucht zu werden. In der Kontrollstation, die Veränderungen an den den Fjord umgebenden Felsformationen frühzeitig erkennen soll, hat Kristian seinen letzten Arbeitstag. Gerade an diesem Tag aber beunruhigen ihn verdächtige Messergebnisse.

Es kommt was kommen muss: Seine Befürchtungen bewahrheiten sich. Gewaltige Gesteinsmassen lösen sich vom Berg und die gigantische Flutwelle rollt auf die Kleinstadt Geiranger zu. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, es gibt Tote und das Chaos regiert. Kristian entwickelt sich währenddessen zum Klischee-Helden. Er rettet seine Tochter, warnt die anderen Bewohner und begibt sich von Verletzungen gezeichnet auf die gefährliche Suche nach Frau und Sohn. Soviel zur Genre-Standardkost. Denn trotz allem Action-Bumm-Bumm nimmt sich der Film die Zeit die Charaktere zu entwickeln. So verzichtet er in der ersten Dreiviertelstunde darauf, dem Zuschauer die unstrittig imposanten Special-Effects um die Ohren zu pfeffern und gibt hingegen etwas über das Innerste der Protagonisten mit all ihren Gefühlen und Sorgen preis. Das macht es deutlich einfacher, mit diesen mitzufiebern und ihnen das Überleben zu wünschen. Zudem weiß der Film sich vor allem durch sein Setting abzusetzen.

Denn die Gefahr für die Bewohner des Fjords ist keineswegs erfunden, sondern ganz real – es gab eine solche Welle bereits 1934 und es wird sie wieder geben.

Letztlich bietet „The Wave“ mit seinem selten bescheuerten Untertitel „Die Todeswelle“ die übliche Katastrophenfilmformel – weiß sie dabei aber geschickter und vor allem glaubwürdiger zu verpacken. Nicht nur durch die genreuntypisch gute Charakterzeichnung funktioniert der Film dabei sogar, und das wurde getestet, bei einem Pärchenabend.

von Sebastian Bechstedt

Foto: Universum Film