„Meine Interessen sind mein Beruf.“ Nicht viele Berufstätige sagen das über sich. Björn Schumachers Interesse galt und gilt der Elektrik, mit der er sich im letzten Jahr selbst-ständig gemacht hat. moritz. trifft ihn in Klausdorf, Mecklenburg-Vorpommern.

Vor meinem Abitur habe ich an Fahrrädern geschraubt, dann an Motorrädern, irgendwann bin ich bei Automotoren ange- kommen. Aber immer mit Elektrik, die Mechanik alleine ist gar nicht so spannend.“ Björn Schumacher ist Anfang 30 und seit Mitte 2015 selbstständig. Er berät seine Kunden rund um das Thema Photovoltaik und Energiespeichersysteme und verknüpft diese Technik mit intelligenten Steuersystemen für Häuser. Nachdem Schumacher zusammen mit den Kunden die geeigneten Produkte ausgesucht hat, bestellt er die Technik. Er beauftragt Dachdeckermeister, Elektrikermeister und andere Fachmänner mit der Installation, die er aber immer persönlich beaufsichtigt. Dabei ist er auch selbst oft auf Dächern unterwegs. Im Moment führt der gebürtige Rostocker den Betrieb alleine – Kundenbesuche, Rechnungen, Beaufsichtigen der Installation und Finanzerklärungen liegen in seiner Hand. „Dann sitze ich in meinem kleinen Büro in Rostock-Kritzmow mit einem PC und meinem Kalender und arbeite vor mich hin. Viel Arbeit, vor allem die Buchhaltung ist unglaublich aufwändig“, erzählt der Jungunternehmer.

Photovoltaik bezeichnet die Nutzung der Sonnenenergie zur Herstellung von elektrischem Strom. Mecklenburg-Vorpommern deckt über 60 Prozent seines Strombedarfs mit erneuerbaren Ener- gien. Mit ungefähr zwölf Prozent unter den erneuerbaren Energien nimmt Solarstrom dabei jedoch nicht die bedeutendste Rolle ein.

Björn Schumacher ist überzeugt davon, dass Solarenergie in Zukunft eine weitaus wichtigere Rolle spielen wird. Dies ist vor allem durch den immer schnelleren technischen Fortschritt begründet. Für den Mittdreißiger ist es eine Freude, an diesem Prozess aktiv teilzunehmen. Doch warum hat er sich gerade für diese Technik entschieden? Energie ohne Schmutz, Unabhängigkeit, spannende technische Fragestellungen sind nur ein Teil seiner Motivation. „Stellen Sie sich vor, wir sind unabhängig vom Gas und jeder Haushalt produziert seinen eigenen Strom. Ohne große Energiekonzerne. Das wäre ein völlig neues Selbstverständnis vom Leben.“

Von der See zurück an Land

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Mit der Ausbildung zum Mechatroniker legte Schumacher einen Grundstein für seinen Lebensweg. Als Hoteltechniker fuhr er auf Kreuzfahrtschiffen mit, manchmal fünf Monate am Stück auf See. Dort hat er viel Menschenkenntnis gewonnen und die Welt kennengelernt. Nach seinem Studium hat sich der Bachelor-Mechatroniker in entsprechenden Fachkreisen informiert, wie er sein Berufsleben mit seinen Vorstellungen von der Zukunft abstimmen kann. Dabei ist er auf enerix gestoßen. Enerix bezeichnet eine Zusammenkunft von vielen Fachbetrieben für Solartechnik unter gemeinsamem Namen. Internetauftritt und Philosophie teilen die einzelnen Betriebe, die Geschäfte werden aber unabhängig voneinander abgeschlossen.

„Enerix hat den Vorteil, einer der größten und damit auch technisch und wissenschaftlich führenden Anbieter von Solaranlagen in Deutschland zu sein“, so Schumacher. Bevor er in diesen Verband einsteigen konnte, lagen eine Reihe Schulungen und Fortbildungen vor ihm. Dazu gehörten unter anderem eine Weiterbildung zum Solarfachberater bei der entsprechenden Gesellschaft, Schulungen in allen Produkten, mit denen enerix arbeitet und last but not least diverse Zertifizierungen für Speichersysteme. Schumacher ist sich sicher, dass er gerade durch das angehäufte Wissen den anderen Anbietern überlegen ist. Konkurrenz gibt es mittlerweile auch in technisch anspruchsvollen Bereichen wie der Solarenergie reichlich. Aber ohne Konkurrenz entsteht auch kein Motor für Weiterentwicklung.

Klausdorf, irgendwo hinter Stralsund an der Ostsee. Hier steht die erste Anlage überhaupt, die Björn Schumacher verkauft hat. Ein kleines Haus mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach glänzt in der Sonne, daneben ein Elektroauto. Schon jetzt im Februar deckt die Anlage den Großteil des häuslichen Stromverbrauchs, der direkt von der Anlage in das Elektrosystem des Eigenheims gespeist wird. Mit überschüssigem Strom wird in den Mittagsstunden der waschmaschinengroße Akku geladen, der das Haus dann bis in die Nacht hinein mit Strom versorgen kann. Im Sommer wird überschüssiger Strom in das Netz gespeist. Dafür erhält der Besitzer der Anlage einen bestimmten Betrag pro Kilowattstunde. „Sehen Sie, dann bekommt mein Kunde diese App, auf der er genau verfolgen kann, wann er wieviel Strom produziert. Der blaue Balken hier ist der Stromverbrauch.“ Björn Schumacher erzählt viel und gerne von seiner Technik. Vielleicht bewahrt er seine Begeisterung in seinem weiteren Lebensweg.

von Jonas Greiten

Foto: Jonas Greiten