Rezension

Markus Heitz mittlerweile fünfbändiges Zwerge-Epos ist eine der größten Erfolgsgeschichten der deutschen Fantasyliteratur. Der erste Teil von ,,Die Zwerge’’ beginnt durchaus gemächlich. Der Zwerg Tungdil wächst als Findelkind unter Menschen auf und arbeitet als Schmied für den Magier Lot-Ioan. Als er auf einem Botengang von den Zwergenbrüdern Boendal und Boindil vor einer Horde Orks gerettet wird, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Die Brüder eröffnen ihm, was der Zuhörer bereits zu Beginn erfährt. Tungdil soll die Hauptrolle in einem politischen Manöver des scheidenden Zwergenkönigs Gundrabur spielen und die beiden als vermeintlicher Stammesangehöriger des neuen Thronanwärters ins Zwergenreich begleiten. Dieser hat trotz einer das Land verderbenden magischen Seuche nichts außer einem Krieg gegen die Elben im Sinn.

Dabei bewegt sich Tungdil durch ein vor Leben strotzendes Universum, dessen Gestaltung von dem immensen Verständnis des Autors für die Anforderung an eine funktionierende, fantastische Welt zeugt. Die Orte, Völker und Begebenheiten erzählen ihre eigene Geschichte und fügen sich in ein komplexes und detailreiches Bild ein. Die zahlreichen Schlachten und Scharmützel, die es auf dem Weg zu schlagen gilt, werden blutig serviert und garniert mit einer ordentlichen Prise Pathos. Wiederholungseffekte stellen sich dennoch äußert selten ein, da man – Tungdil über die axtschwingende Schulter blickend – jede neue Entwicklung am Ende der Kämpfe neugierig aufnimmt.

Die Geschichte profitiert dabei sehr von den liebenswerten Nebencharakteren und der Handlung abseits des Schlachtfeldes, die viele gute Einfälle, wie die unterhaltsamen Ränkeschmiede im Zwergenreich, bereit hält. Sprecher Johannes Steck kann indes für sich in Anspruch nehmen, der großen Anzahl an zwergischen Charakteren des Buches durch die geschickte Nuancierung seiner Stimme jeweils einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen. ,,Die Zwerge’’ ist ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Hörbuch, dem man klitzekleine Längen gerne verzeiht.

von Lorenz Lang

Foto: Hörbuch Hamburg