Katja Bartz

Für das Lehr- und Lernzentrum der Universitätsmedizin Greifswald ist eine lebensechte High-Tech Simulationspuppe SimMom® von der Firma Laerdal Medical GmbH angeschafft worden, die für Trainings rund um den Geburtsvorgang eingesetzt wird. Doktor Katja Bartz, Oberärztin und Lehrbeauftragte an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, berichtet.

Was kann an der Puppe simuliert werden?

Die Puppe kann für die Geburtshilfe fast alles simulieren. Man kann vor der Benutzung die Puppe programmieren und die verschiedenen Einstellungen automatisch oder manuell ablaufen lassen. Dabei können sowohl eine normale Spontangeburt als auch Geburten mit verschiedenen Komplikationen simuliert werden. Die Puppe ist so gebaut, dass über den Arm Medikamente eingeflößt werden können. Sogar den Puls kann man tasten! Insgesamt ist sie wirklich realitätsnah gestaltet und kann sogar Geräusche von sich geben. Sie atmet und schreit „aua aua aua“. Das ist wirklich sehr beeindruckend.

Welche Geburtskomplikationen können trainiert werden?

Es können Fehleinstellungen simuliert werden. Das Kind dreht sich nicht richtig durch das Becken hindurch, dann müssen manuelle Handgriffe des Arztes weiterhelfen. Weiterhin gibt es auch nach der Geburt verschieden Tücken wie zum Beispiel Blutungen. Das ist immer die große Angst von Geburtshelfern, weil das auch gefährlich für die Mutter werden kann.

Also kann die Puppe auch bluten?

Genau, sie kann Urin und Blut ausscheiden, dabei handelt es sich letzten Endes nur um eingefärbtes Wasser. Diese Fähigkeit ist sehr bedeutend, weil in der Realität oft unterschätzt wird, welche Menge an Blut während einer Geburt verloren gehen kann. Das Fruchtwasser wird durch ein Gleitmittel ersetzt, damit auch das Plastikbaby durchrutschen kann. Vor jedem Training mit der Puppe wird sie von uns mit den Körperflüssigkeiten gefüllt.

Wo kommt sie zum Einsatz?

Wir besitzen die Puppe seit Januar dieses Jahres und haben bisher schon verschiedene Ausbildungseinheiten mit diversem medizinischen Personal unserer Klinik durchgeführt. Geplant ist, sie auf alle Fälle für die Studentenausbildung zu nutzen, die während ihres zweiten klinischen Jahres bei uns ein zweiwöchiges Praktikum absolvieren.

Wir wollen sie auch für die Hebammenausbildung nutzen und haben Anfragen von anderen Kliniken, wie zum Beispiel der Klinik für Innere Medizin und der Abteilung für Allgemeinmedizin.

Funktioniert denn bisher alles wie geplant?

Die Puppe ist hochtechnisiert, sie ist quasi ein menschengroßer Computer. Sie wird über W-LAN mit einem Monitor verbunden und der Test-Instruktor hat die Steuerung über ein Touchscreen-Display in der Hand. Es gibt hin und wieder kleine technische Probleme, die wie auch mit anderen Geräten auftreten können. Wir alle haben Schulungen zur Benutzung der Puppe bekommen. Wir müssen uns zwingend mit der Technik auseinandersetzen, da die Puppe sehr komplex ist, fast wie ein Mensch. Das wollen wir auch entsprechend nutzen können, dazu müssen wir alle Einstel-lungen im Blick haben.

Sehr geehrte Frau Bartz, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Selin Cavus.

Foto: Universitätsmedizin Greifswald