Die Kulturkiste hat auf der Innenseite Spiegel bekommen und heißt fortan Kaleidoskop. Das klingt in manchen Ohren vielleicht mindestens so mystisch wie für mich Teilchenphysik. Und irgendwie ist es das ja auch. Der Blick durch das Loch eines Kaleidoskops ist aber genauso spannend wie das Beschleunigungsverhalten von Elementarteilchen. Ein paar wenige bunte Steinchen und drei Spiegel reichen aus, um eine schier unendliche Fülle an Bildern zu offenbaren. Dreht man das Rohr, fallen die Steine in eine andere Position und zeigen ein neues Panorama an Mustern. Auf Physikalisch heißt das übrigens „Polarisation von doppelbrechenden Kristallen“. Das klingt leider nicht ganz so fantastisch wie es aussieht. Die Etymologie hat da eine bessere Antwort parat. Kaleidoskop kommt nämlich aus dem Griechischen und bedeutet „schöne Formen sehen“. Ist das nicht hübsch? Beim Blick in die bunten Steinchenwelten kann man sich verlieren und Welten entdecken. Ein Kaleidoskop ist also in gewisser Weise auch ein Fernrohr. Jedes Drehen, verbunden mit einem leisen Klick der fallenden Kristalle, zeigt neue Tiefenschärfe, andere Aspekte.
Klick – neu. Klick – anders. Klick – WOW!

Und was ändert sich jetzt an der guten alten Kulturkiste? Auf den ersten Blick (oder Klick) vielleicht nichts. Der Inhalt wird so anders bleiben wie eh und je. Aber es sind ja nicht nur die Steinchen, die zählen. Sondern auch die Spiegel. Die seid Ihr. Eure Perspektive zeigt, was Ihr reflektiert. Eure Welt. Und wenn Ihr euch dreht? Dann klickt’s.

von Constanze Budde

Foto: Backpackers01 (Flickr.com)