An einem Sonntagnachmittag fläze ich mich auf die Couch und schaue in mein verboten schokoladiges Nutellabrot beißend einen dieser High-School-Filme, die ständig an solchen Tagen laufen. In der Werbepause bemerke ich eine der Fitnessstudio-Werbungen, wie sie vor allem im Januar die Pausen im Fernsehprogramm überfluten. Ich stelle fest, dass diese Frauen tatsächlich ziemlich knackig aussehen. Träge stehe ich auf, stelle mich vor den Spiegel und kneife mir in meine Speckrolle am Bauch. “Na, Diggi“, sage ich mitleidig schmatzend, und das, obwohl meine Mama mich zum positiven Denken erzogen hat. Nun steht fest: Ich muss unbedingt so aussehen wie die Frauen im Fernsehen. Bereits am nächsten Morgen klingelt mein Wecker um sechs Uhr. In der Früh. Ich betone das deshalb, weil jegliche meiner Körper- und Denkfunktionen normalerweise erst ab zehn Uhr aktiv sind. Dennoch quäle ich mich hoch und gehe joggen. Auf meinem Weg treffe ich viele Läufer und nicke ihnen motiviert zu. Dabei fällt mir auf, dass diese mein Nicken nur selten erwidern.

CERRRRRRIN1Nach großer Anstrengung sehen sie überhaupt nicht aus. Ich hingegen bin rot wie eine Tomate und triefe vor Schweiß, bereits nach fünfzehn Minuten kann ich nicht mehr. Prustend lehne ich mich gegen einen Pfeiler und versuche mich zu dehnen. „Warst auch schon mal gelenkiger“, denke ich mir und bin für einen Moment sauer über meine Unsportlichkeit. Enttäuscht von mir selbst und diesem Fiasko gehe ich nach Hause und google im Internet. Mein Schlagbegriff „Diät“ zeigt 13 300 000 Ergebnisse. Überwältigt scrolle ich mich durch size-zero.de, selbstbewusstsein-staerken.net und imakeyousexy.com von Detlef D! Soost, der mit seiner Homepage das Versprechen gibt, den typengerechten Weg bei der Gewichtsabnahme zu finden. Alle Diäten garantieren eine rasante Kiloreduzierung innerhalb kürzester Zeit. Überzeugt bin ich aber nicht. Dann werde ich auf die Kohlsuppendiät aufmerksam, die sogleich mein Interesse weckt. Und das Beste ist, dass man so viel Kohlsuppe essen darf, wie man möchte. Noch an diesem Tag starte ich meinen Selbstversuch.

Im Nachhinein kann ich Euch sagen, dass auch letztere Diät sich nicht gelohnt hat. Als nämlich selbst meine Kommilitonen bemerkten, dass Kohl wohl doch seine Spuren im Darmtrakt hinterlässt, musste ich gezwungenermaßen abbrechen. Allerdings bin ich zu einer Einsicht gekommen. Ich esse das, worauf ich gerade Hunger habe und lasse es sein, wenn ich keinen habe. Es mag vielleicht zu einfach sein, aber es klappt. Während meine Freunde also noch weiter beim Essen Kalorien zählen und einen Salat vorziehen, beiße ich genüsslich in meinen Burger und fühle mich gut dabei.

von Cerrin Kresse

Foto: Privat

 

 

 

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